Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 10 (1872)
- Issue
- 1-2 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 119 (sequence 122)
- Language
- German
- Belongs to
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Umschau. 119 den israelitischen Massen geistige Nahrung zuzuführen. Auch müsse der jährliche Beitrag ein geringerer sein und so eine volkstümliche Vereinigung gegründet werden. Es wurde demgemäß beschlossen: Unter den Auspicien des Board of Delegates soll eine ״jüdische Veröffentlichungs-Gesellschaft für die Vereinigten Staaten" (tbe Jewish Publication Society of United States) als unabhängige Körperschaft gebildet werden. Der jährliche Beitrag wird auf drei Dollars festgestellt, und die Gesellschaft beginnt unverzüglich ihre Thätigkeit. Der Board of Delegates bestimmt eine Publication cominittee mit dem Rechte der Cooptation, welche für alle ihre Angelegenheiten Vollmacht hat u. s. w. Wenn es dem Comite gelingt, auch nur mäßige Theilnahme zu finden, gedenkt es für das erste Jahr die drei folgenden Werke herauszugeben: 1. den ersten Theil einer englischen Bibel-Uebersetzung, 2. einen Band von Grätz' Geschichte der Juden, und 3. Geiger's Gabirol. Für die erstere will das Comite die Stereotypplatten der vor 17 Jahren erschienenen Isaak Leeser'schen Uebersetzung erwerben und derselben weitere Verbreitung geben. Für die beiden andern Schriften denkt das Comite befähigte Bearbeiter zu finden. Außer Uebersetzungen aus dem Hebräischen, Deutschen und andern fremden Sprachen hat das Comite auch die Absicht, heimische Talente zu ermuthigen, verdiente Schriftsteller zu unterstützen und den Genius der jüdischen Literatur zu beleben. — Das hier auftauchende Unternehmen ist gewiß ein sehr löbliches, es leidet aber an dem Gebrechen, welches der Todeskeim der meisten ähnlichen neuen Gesellschaften ist, welche die Massenherrschaft an die Stelle der Geistesmacht setzen. Selbst das ״Institut zur Förderung der jüdischen Literatur" krankt daran, obgleich es in dem Lande erstanden, welches seit einem Jahrhunderte der elassische Boden der jüdischen Wissenschaft geworden. Sehen wir vorläufig ab von der großen Anzahl werthloser populärer Schriften, die es in Taufenden von Exemplaren in die Massen geworfen, die meistens auch von ihnen unbeachtet geblieben und selbst wenn sie Beachtung gefanden, denselben eine geistige Nahrung darzubieten nicht geeignet waren. Halten wir uns vielmehr an die Werke, die einen wissenschaftlichen Werth beanspruchen und einen solchen auch zum Theile in sich tragen, und gerade von ihnen müssen wir sagen, daß das Institut durch deren weite Verbreitung vielleicht ebensosehr geschadet