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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1872-01-01 · 1-2 (1872) · p. Seite 116

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
10 (1872)
Issue
1-2 (1872)
Date
1872-01-01
Page
Seite 116 (sequence 119)
Language
German
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116 Umschau. Willkürlicher verfährt. Aima soll wegen ״lügnerischer Rede" seiner früheren Herrlichkeit entkleidet worden sein; dasselbe soll nun (nach S. 75) Bereschith rabba 6. 19 aussagen, indem mit Anwendung von Spr. 30, 6 die erste Veranlassung zur Sünde dadurch herbeigeführt wurde, daß Eva das Verbot Gottes, vom Baume der Erkenntniß zu essen, in ihrem Berichte an die Schlange dahin erweiterte, daß sie dasselbe auch auf das Berühren des Baumes ausdehnte. Als nun, fährt der Midrasch fort, Eva vor dem Baume vorüberging, stieß die Schlange sie an ihn heran und sprach dann zu ihr: Siehe, du stirbst nicht durch die Berührung, ebensowenig wird das Essen diese Folge für dich haben, und Eva ward dadurch zum Genüsse verleitet. Also die Sünde, welche die Strafe herbeiführte, ist lediglich der Genuß, blos die Veranlassung dazu war die Uebertreibung, mit welcher das Weib dem Verbote einen zu weiten Umfang gegeben, so daß, als dieselbe sich als hinfällig erwies, das Verbot selbst unbeachtet blieb. Der Midrasch zieht hieraus die schöne Lehre, die Umzäunung (die Verhütungsmaßregeln) nicht zu weit auszudehnen, damit nicht mit ihr die Pflanzungen (die Verbote) selbst beschädigt werden. Von Lüge liest man hier gar nichts, und man begreift nicht, wie Hr. K. dem Weibe die Worte in den Mund legt: ״Gott hat mit Lug gesprochen/' während die hervorgehobenen Worte gar nicht in dem Midrasch-Texte (der in der Anm. mitgetheilt ist) sich vorsinden und noch dazu ganz sinnlos sind. Erklärlich, wenn auch nicht gerechtfertigt, wird dieses Mißverständniß nur, wenn man die Recension des Jalkut, nach welcher dieser die Worte des Midrasch, jedoch nach eigner Ausführung erklärend wiedergiebt, beachtet. Dieser (§. 26) sagt nämlich: וענלדד ודעידח ״ עדות טגקרEva legte ein lügnerisches Zeugniß ab", und dann von der Schlange: als sie sah, daß das Weib gelogen (!עןכזבד). stieß sie dasselbe an u. s. w. Auf diese Relation bezieht sich auch ausdrücklich Schorr, während K. den Jalkut ignorirt, also auch dieser Stütze entbehrt. Allein abgesehen davon, daß auch nach der Darstellung Jalkut's Eva und nicht Adam sich der Lüge schuldig macht, immerhin die lügenhafte Uebertreibung blos Veranlassung zur Sünde, nicht die die Strafe bewirkende Sünde selbst ist, bleibt die ganze Beziehung auf die Lüge blos eigne Zuthat Jalkut's, die man nicht dem älteren Bereschith rabba zuschreiben darf. Jalkut verfährt zuweilen so, daß er seine Quellen nach eigner Auffassung amplificirt; er wird hier durch den Ausdruck ונכזבת in Spr. 30, 6 dazu ver-

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