Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 10 (1872)
- Issue
- 1-2 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 114 (sequence 117)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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114 Umschau. Auch eine neue Abhandlung des Hrn. vr. Alexander Ko Hut, welche ״die talmudisch-midraschische Adamssage in ihrer Rückbeziehung auf die parsische Jima- und Meshiasage kritisch beleuchtet" *), beschwichtigt meine früher geäußerten Bedenken nicht. Zuvörderst muß ich mich gegen den Verfasser des Hrn. Schorr annehmen, den er zwar S. 72 in der Anmerkung anführt, aber in einer Weise, wie sie ihm wohl nicht ziemen dürfte. Denn im Grunde ist der Hauptsächlichste Vorrath der von K. vorgebrachten Parallelen bereits von Sch. an der von ihm citirten Stelle, Chaluz VII S. 32 f., zusammengestellt, und wenn auch Hr. K. Wohl im Stande sein mochte, dieselben selbstständig zu finden, so war doch jedenfalls das Material nicht blos von Sch. beigebracht, sondern Hr. K. lehnt sich auch, wie wir an einigen Beispielen sehen werden, sehr stark an dessen Auffassung an. Hrn. K. eigenthümlich ist freilich der erste Theil der Abhandlung, welcher ״die Aimasage des Zendavesta mit ihrer Quellennach- Weisung aus der Genesis" bespricht, aber ich muß bekennen, daß ich daraus die Ueberzeugung nicht gewinnen konnte, daß der Parsismus in seiner Vorstellung über den ersten Menschen sich von der Darstellung in der Genesis habe leiten lassen, wie Hr. K. behauptet. Die Aehnlichkeiten sind ungemein schwach und treffen blos in solchen Allgemeinheiten zusammen, die überhaupt bei einem alten Volke, das den dunkeln Hintergrund der Vergangenheit nicht mythisch, sondern sagenhaft gestaltete, bei der Reflexion über den ersten Menschen hervortreten mußten. Wie aber die Berichte der Genesis dem Parsismus bekannt geworden sein und auf seine Ausbildung Einfluß erlangt haben sollten, ist ganz unbegründet gelassen und dürfte kaum zur geschichtlichen Wahrscheinlichkeit erhoben werden können. Ebensowenig aber läßt sich annehmen, daß der Bericht der Genesis Entlehnungen aus dem Parsismus enthalte; derselbe reicht in eine Zeit hinauf, in welcher die Juden noch in gar keinem engeren Zusammenhange mit den Bekennern dieses Glaubens gestanden und von dieser Seite her in ihren urgeschichtlichen Vorstellungen gewiß nicht beeinflußt wurden. Wenden wir uns daher von den biblischen Parallelen ab und kehren wir zu dem eigentlichen Vorwurfe der Abhandluug zurück, wie er uns in der Aufschrift verheißen wird, nämlich zum ״Nach- 1J Zeitschrift der DMG. Bd. XXV S. 59-94.