Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 10 (1872)
- Issue
- 1-2 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 99 (sequence 102)
- Language
- German
- Belongs to
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Wellhausm, Samuel. 99 es ursprünglich fehlte, so mochte ein peinlicher Leser besorgen, Saul trete mit seinem eignen Verbote, daß den ganzen Tag nichts genossen werden dürfe (V. 24 ff), in Widerspruch, und er fügte daher hinzu, es sei bereits die Nacht herangerückt, die Zeit, innerhalb welcher das Verbot Geltung gehabt, vorüber gewesen. Nun tritt aber eine andere Schwierigkeit ein nach halachischer Anschauung, daß nämlich Opfer nur während des Tages, nicht in der Nacht dargebracht werden dürfen. Während die Gemara (Sebachim 120 a) diese Schwierigkeit in verschiedenem Sinne zu beseitigen sucht, mochte eine alte Textesrecension derselben einfach aus dem Wege gehn, indem sie das Wort — strich. So dürfte auch die Entscheidung darüber, welcher von beiden Texten, ob der kürzere der 70 in 6. 18 oder der unsrige, vorzuziehen sei, nicht so rasch zu Gunsten des ersteren getroffen werden, wie es Hr. W. thut. Allerdings genügt der kürzere Text der 70, er befreit uns auch von einigen Schwierigkeiten, die der unsrige darbietet, namentlich fällt die Angabe, daß David neben der Michal auch deren ältere Schwester Merab geheirathet habe, ganz weg und damit erledigt sich eine Anzahl auffallender Fragen. Allein abgesehen davon, daß doch noch manche Schwierigkeit bleibt, vielleicht gar nunmehr verstärkt wird, muß es gerade Bedenken erregen, daß mit dieser Kürzung so manches Unebene glatt wird, und man kann sich der Vermuthung nicht erwehren, es sei die Kürzung absichtlich vorgenommen worden, um sich die Schwierigkeiten vom Halse zu schaffen, während man gar keinen Grund erdenken kann, warum der Zusatz in unserm Texte gemacht worden, wenn er nicht ursprünglich gewesen. Man erkennt zwei Systeme in der Betrachtung dieser Heirathsgeschichte: nach der einen nimmt David beide Töchter Saul's auf dessen dringendes Verlangen, das mehrfach wiederholt wird. David tödtet als Preis für beide zweihundert Philister — während II 3, 14 blos der Preis für Michal angegeben wird —, nach der andern kommt Merab außer allem Betrachte, und es kann nur von einem Hundert erschlagener Philister die Rede sein. Das scheint eine beabsichtigte Vereinfachung zu sein, die von David zugleich die Ausübung einer verbotenen Handlung, die gleichzeitige Ehe mit zwei Schwestern, hinwegnehmen will. Diese Bedenklichkeit hat offenbar schon in älterer Zeit die Gemüther beunruhigt, und es dürfte nicht zu kühn sein, darin die Veranlassung zu finden für eine sehr auffallende Differenz zwischen den zwei Abschnitten im Leviticus, 7*