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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1872-01-01 · 1-2 (1872) · p. Seite 87

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
10 (1872)
Issue
1-2 (1872)
Date
1872-01-01
Page
Seite 87 (sequence 90)
Language
German
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Wellhausen, Samuel. 87 in der von ihm behaupteten Naivetät der Aenderungen eine Entdeckung gemacht zu haben glaubt, die er bei mir vermißt, so zeigt er hierin wieder, daß er mein Buch mit ziemlich geringer Aufmerksamkeit durchgelesen hat. Herr W., sagte ich, nimmt in Vorrede und Einleitung einen starken Anlauf, ein Princip für die ehedem vorgenommenen Correcturen und demgemäß für die nunmehr nöthigen Rückverbesserungen zum ursprünglichen Texte hin aufzustellen. Stimme ich hier auch nicht durchgehends mit ihm überein, so ist doch das richtige Gefühl vor- Händen, das Bestreben anerkennenswerth, aber es ergeht uns seitsam, wenn wir dann zu dem eigentlichen Buche vorschreiten und die Anwendung der Grundsätze erwarten. Uns ist, wie wenn wir durch ein weites Helles Portal in dumpfe, enge Stuben eintreten, denn hier treffen wir eigentlich blos auf einen — verbesserten Thenius. Ich verkenne die Verdienste dieses Gelehrten nicht; aber wenn man die Hauptaufgabe darin sieht, unfern Text mit der alexandrinischen Uebersetzung zu vergleichen, diese mit Vorliebe heranzuziehen, und ihre Wiedergabe in das schlechteste Hebräisch zurück zu übersetzen, so hat man für die Auffindung des Ursprünglichen doch sehr wenig gethan. Hr. W. berichtigt Th. vielfach, aber im Ganzen und Großen folgt er seinem Verfahren. Dabei wird auch die Uebertragung der Alexandriner — von deren besonderem Texte zu sprechen auch ein überwundener Standpunkt ist — nicht genügend gewürdigt, weil deren Zusammenhang mit den alten halachischen und agadischen Annahmen nicht beachtet wird. Freilich ist es damit nicht abgethan, wenn man eine Analogie für Lesart und Deutung der 70 in Thalmud und Midrasch findet; man muß eben weiter Vordringen und erkennen, wieso man überhaupt zu der Auffassung gelangt ist, die eine solche allgemein verbreitete Aufnähme gefunden, daß man ihr in diesen von einander so entlegenen Quellen begegnet. Allein bei der Knappheit, mit der eine Uebersetzung die Auffassung darlegt, wird es immer von großem Belange sein, ausgeführtere Angaben in der palästinischen Tradition zu finden. — Ich habe das Vertrauen zu der tüchtigen Kraft und dem verdienstlichen Streben des Hrn. W., daß die ihn treibenden richtigen Grundsätze in ihm mehr zum Bewußtsein gelangen und Gestalt ge- Winnen werden. Wenn ich mich bis jetzt, bei voller Anerkennung vieles Guten und Richtigen in seinem Buche, noch in einem Lief-

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