Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 10 (1872)
- Issue
- 1-2 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 89)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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86 Recensionen. aus, den man einmal einnahm, sich gar nicht anders denken konnte, als der Schriftsteller hübe so sagen wollen, wie man es sich selbst dachte, daß er sich nur nicht bestimmt genug ausgedrückt oder der Text ungenau überliefert worden, man daher im vollen Rechte sei ihn zu verbessern. Außer dem Urtheile über das Verfahren der alten Bibel-Uebersetzer, welches ich von Hrn. Payne-Smith in dieser Ztschr. Bd. IX S. 77 mitgetheilt habe, verweise ich noch heute auf das Urtheil Martin's über die syrischen Uebersetzer profangriechischer Werke, die, sonst mit sklavischer Wörtlichkeit, sich die größten Freiheiten erlaubten, wenn der Sinn sie störte. Martins Worte (Academy vom 15. März) lauten: ״Die Freiheit, welche von den Uebersetzern geübt wurde im Umgestalten, Abkürzen oder in theilweiser Auslassung der Originaltexte ist um so auffallender, als sie sonst sich .als Muster der Treue beweisen. Unser Erstaunen schwindet, wenn wir bemerken, daß diese willkürlichen Aenderungen sich auf Worte beschränken, welche geeignet sind, das reine und zarte Gefühl syrischer Christen zu verwunden, auf Thatsachen, welche darauf berechnet sind, einer christlichen Einbildungskraft Anstoß zu geben, auf Anspielungen, die dunkel oder zu eng mit der heidnischen Mhthologie verbunden sind. Der Mangel an Genauigkeit bei dem syrischen Uebersetzer ist demnach nicht das Ergebniß von Unwissenheit oder Unfähigkeit, sondern einer voraus festgestellten Ansicht, ist ein bestimmtes System." Hr. M. belegt dies mit mehreren Beispielen, unter andern mit einem, das so recht nahe unser Gebiet begränzt, wenn der Syrer den Satz: der junge Mann rief die Götter (rovg &80vg) an, im Singular wiedergiebt: Gott. Es fällt bei diesem und ähnlichen Fällen Niemandem ein zu vermuthen, der Uebersetzer habe eine andere Lesart vor sich gehabt. Unsere Bibelkritiker thäten Wohl daran, sich solche Urtheile zu Herzen zu nehmen. Hr. W. hat Wohl davon eine Ahnung, aber die altern Herren haben sich in ihrer alten ganz willkürlichen Conjecturalkritik so versteift, daß sie für eine verständige Auffassung gar kein Organ mehr zu haben scheinen. Das schließt freilich nicht aus, daß man auch nicht selten in bewußter Abweichung änderte, aber man glaubte auch hier sich nicht in Gegensatz zu dem Schriftsteller zu setzen, sondern mit einer fast kindlichen Naivität dachte man damit ihn blos zu berichtigen, zu läutern und so recht seinem Sinne gemäß zu handeln. Das ist in meiner ״Urschrift" wiederholt und nachdrücklich zur Erkenntniß gebracht, und wenn Hr. W.