Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 10 (1872)
- Issue
- 1-2 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 84 (sequence 87)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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84 Recenfionen. Jedoch es sollte blos der junge Vfr., desien hingebender Fleiß sehr anzuerkennen ist, aufmerksam gemacht werden, daß er bei künf- Ligen schriftstellerischen Versuchen sparsamer und vorsichtiger zu Werke gehen möge. 23. Jan. 5. Der Text der Bücher Samuelis untersucht von Lic. Julius W el l h a us e n. Göttingen. Vandenhoeck und Ruprecht. 1871. XVI und 224 Seiten 8. Zum tieferen kritischen Einblicke in den Inhalt und somit auch in den Text des Samuel-Buches — von einer Theilung in zwei Bücher weiß mit Recht das jüdische Alterthum Nichts — gehört vor Allem eine Orientirung über die abweichenden Urtheile und Stimmungen, die in den verschiedenen Kreisen des Volkes und in den verschiedenen Geschichtsepochen über die in ihm behandelten Personen sich geltend machten. In der späteren Zeit, in welcher das Buch entstand — doch jedenfalls in dem befestigten judäischen Reiche —, suchten sich diese traditionellen Berichte in einander zu verschmelzen; aber die Verschiedenartigkeit der Bestandtheile blieb dennoch sehr merklich und drängte zu mancherlei Aenderungen, bald durch den Erzähler selbst, bald in einer späteren Redaction, bald von Seite der noch Späteren, die als Maßorethen, Punktatoren und Aecentua- Loren den Text zu fixiren bemüht waren. Auf diese Betrachtungen ist Hr. W e l l h a u s e n, dessen Buch wir hiermit zur Anzeige bringen, sehr wenig eingegangen; der Bewegung der Geister, aus welcher schließlich, und zwar in mannichfacher Form, die Berichte sich festgestellt haben, geht er kaum nach, und so entgehen ihm die tiefsten Triebe der bis weit herunter sich fortsetzenden Aenderungen. Das liegt nun zum Theile darin, daß er sich auf das Samuelbuch beschränkt und es nicht im Zusammenhänge mit der ganzen vorhergehenden und nachfolgenden Geschichte und Literatur betrachtet; denn bei aller Selbstständigkeit und Eigenartigkeit des Samuelbuches muß erst die vorangegangene geschichtliche Stämme- und Volksent- Wickelung richtig erkannt werden, wenn man die treibenden Kräfte der Geschichtsepoche, welche das Buch behandelt, und die Motive der bestimmten Darstellung und Beleuchtung, wornach uns die Geschichte mitgetheilt wird, und so endlich die wirkliche Geschichte unter den Verschleierungen, welche sie umhüllen, mit Zuverlässigkeit erfassen