Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 10 (1872)
- Issue
- 1-2 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 71 (sequence 74)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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VI. Kohut, das Buch Tobias. 71 giöser gewesen, beweist der Umstand, daß man die Todten auf die Mauer auflegte und nicht auf eine etwaige Verpestung der Luft Rücksicht nahm, da man sonst die Todten, selbst wenn man sie einige Zeit etwa Zur Entehrung unbestattet ließ, doch endlich einzuscharren für nöthig hätte halten müssen. ä) Als Tobias seinen Sohn zur Behebung der Schuld wegschicken wollte und ihm einige Lehren als gleichsam den letzten Willen ans Herz legte, ermahnt er ihn: ״mein Sohn! wenn ich todt bin, so begrabe mich". Wäre es nicht verboten gewesen, jeden, also auch den ehrlicherweise Gestorbenen, zu bestatten: so wäre eine Ermahnung wie diese, ״ihn zu begraben" zum Wenigsten überflüssig gewesen. Dieselbe Ermahnung wiederholt er wieder in Beziehung auf seine Frau, die Mutter des jungen Tobias, indem er sagt: ״nach ihrem Tode begrabe sie neben mich in ein Grab". C. IV, 3 fg. 6) Als der junge Tobias seinen Bedenklichkeiten, die Sarah zu ehelichen aus Furcht, er könnte wie die übrigen Bräutigame sterben, Ausdruck giebt, vergißt er nicht seinem Begleiter gegenüber zu bemerken: ״daher fürchte ich, ich möchte sterben und das Leben meines Vaters und meiner Mutter vor Jammer ins Grab stürzen, und einen andern Sohn haben sie nicht, der sie begraben würde", C. VI, 14. Welche grundlose Furcht die Eltern unbestattet zu glauben, wenn nicht das Verbot der Beerdigung ihm ängstigend vor Augen geschwebt wäre! f) In der Brautnacht, während welcher Sarah und der junge Tobias inbrünstig zu Gott beteten, stand Reuel auf und ״ließ ein Grab verfertigen, weil er fürchtete, es möchte auch dieser sterben. Als er wieder zurückkam, sagte er Zu Ednah, seiner Frau: schicke eine Sklavin, daß sie sehe, ob er noch lebt; wo nicht, so wollen wir ihn begraben, daß Niemand es erfahre", C. IX, 9 fg. Auch diese Stelle ist unserer Behauptung günstig, denn obwohl es nicht geleugnet werden kann, daß die Furcht sein Haus in üblen Ruf zu bringen, da wieder ein Freier gestorben sei, die Veranlassung ge- Wesen sein kann, daß Reuel in der Nacht ein Grab grub ״damit es Niemand erfahre", so ist doch auch die Annahme nicht ausgeschlossen, daß der eigentliche Beweggrund des nächtlichen Grabens einer Gruft von der Furcht eingegeben war, von Jemandem denuncirt zu werden, daß er gegen das erlassene Verbot der Todtenbestattung gehandelt habe. g) Wie sehr der Verfasser des Buches Tobias bestrebt war,