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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1872-01-01 · 1-2 (1872) · p. Seite 70

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
10 (1872)
Issue
1-2 (1872)
Date
1872-01-01
Page
Seite 70 (sequence 73)
Language
German
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70 VI. Kohut. das Buch Tobias. Selbstverleugnung und Hintansetzung seines eigenen Wohls und Lebens dem höchsten Liebesdienst genügende Fromme, konnte mit Recht als Ideal wahrer Sittengröße und werkthätiger Tugendübung aufgestellt werden, um den gesunkenen Muth seiner Zeitgenossen zu beleben und durch das Beispiel des Tobias deren Eifer namentlich um die, damals in so trüber Zeit wichtigste, religiöse Vorschrift der Todtenbestattung zu beflügeln. Nur ungefähr so ist es erklärlich, daß der Verfasser so oft auf die ehrenvolle Beerdigung zurückkommt: a) Cap. I, 17: xal u nva hx rov yhvovg jLtov hß'EOOQovv re&viyxora xai hQQL^iihvov hnl rov rslyovg NtvEvrj, e&anrov ccvtov. Der Ausdruck ״auf die Mauer Ninive's geworfen" scheint mir außerdem von Belang zu sein, da er zu sehr an das übliche Hinauflegen auf die Dakhmas bei den Parsen erinnert und also abermals unsere Hypothese zu bestättigen scheint. 13) Daselbst 18: ״So fuhr ich fort, wenn der König Sancherib nach seiner Flucht aus Judäa Jemand hatte hinrichten lassen, was er aus Zorn sehr oft that, und begrub ihn heimlich. Wenn hernach der König die Leichen suchen ließ, so waren sie nicht zu finden. Aber ein Bürger zu Niniveh verrieth es dem Könige, daß ich sie heimlich begrübe, ich verbarg mich; und da ich erfuhr, daß man mich suchte, um mich hinzurichten, floh ich aus Furcht aus dem Lande. Darauf wurde mein ganzes Vermögen geraubt" u. s. w. e) Unter seinem Nachfolger Sarchedon (Assarhaddon) gelangt Tobias wieder zu Ehren und die angelegentlichste Pflicht, der er, trotz der gemachten traurigen Erfahrung, obliegt, ist wiederum die Todten zu bestatten. Oder mit Tobias zu sprechen: ״Als er (mein Sohn) zurückkam, sagte er: mein Vater! einer von unserem Volke liegt erwürgt auf dem Markte. Ich sprang sogleich auf, ehe ich etwas zu mir nahm, und brachte ihn in ein Haus, bis die Sonne unterging.-Als aber die Sonne untergegangen war, ging ich hin, machte ein Grab und bestattete ihn. Darüber spotteten meine Nachbarn und sagten: neulich erst gerieth er dieser Sache wegen in Todesgefahr und mußte fliehen; und siehe nun begräbt er die Todten wieder", C> II, 2—9. Und nun erzählt er sein Unglück von seiner Erblindung. Aus dieser mitgetheilten Stelle erhellt auch, daß das Verbot der Bestattung der Todten in Permanenz erklärt ward, welches mit dem Wechsel der Herrscher sich nicht im Entferntesten änderte. Daß der Grund dieses Verbotes ein reli-

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