Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 10 (1872)
- Issue
- 1-2 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 69 (sequence 72)
- Language
- German
- Belongs to
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VI. Kohut, das Buch Tobias. 69 sie ein halbes Jahr nicht wieder ausgräbt, was ist dafür die Strafe? Darauf entgegnete AhuramaZda: man schlage fünfhundert Schläge mit dem Pserdestachel, fünfhundert mit dem Craoshö-charana (Ochsenstachel)". Wenn die Ausgrabung ein ganzes Jahr nicht erfolgt, so verdoppelt sich diese Strafe (§§ 126—131). Sollten aber gar zwei Jahre die Leichname nicht ausgegraben werden, ״dann giebt es hiefür nicht eine Strafe, nicht irgend eine Sühne, nicht irgend eine Reinigung für diese unaussühnbaren Handlungen für immerdar" (tz 135 fg.). Es ist demnach bei diesem Sachverhalt leicht vorstellbar, wie unsäglich viel die Juden unter dieser vom Irrwahn und Fanatismus eingegebenen Unduldsamkeit mögen gelitten haben. Ob uitb wie sie vor der Plage der Todtenausgrabungen sich schützen konnten, ist im Talmud nirgends berichtet. Aber daß sie das Persische Spürsystem durch List mögen umgangen haben, dafür zeugt eben das Buch Tobias, da Tobias heimlich die Todten begrub und zwar nicht ohne Lebensgefahr. Wie nun, wenn der eigentliche Zweck, den der Dichter des Buches Tobias erreichen wollte, so wie die eigentliche Moral seiner Dichtung nichts anderes wäre als eben die hohe Verdienstlichkeit der unter den anomalen Verhältnissen nur um so wichtigern Todtenbestattung an einem recht eindringlichen Beispiel an dem frommen Vorgehen des Tobias augenscheinlich zu machen? Die Idee von der Verdienstlichkeit der Leichenbeerdigung zieht sich wie ein rother Faden durch das ganze Buch. Noch mehr! Selbst die talmudische Motivirung des über die persischen Juden verhängten Unglücks, des Verbots der Todtenbestattung, wornach nämlich dieses erfolgt wäre, weil sie an den Gastmählern und den Persischen Festtagen Theil nahmen, glaube ich wiedergefunden zu haben. Gleich zu Anfang des Buches (C. I, 10 fg.) rühmt Tobias von sich: ״Als wir in die Gefangenschaft nach Niniveh geführt wurden, aßen alle meine Brüder und die Abkömmlinge meines Geschlechtes von den Speisen der Heiden. Ich aber nahm meine Seele Wohl in Acht und aß nichts, indem ich Gottes gedachte mit meiner ganzen Seele". So wird auch ferner (Cap. II, 1 fg.) vom Dichter nicht ohne Nachdruck geschildert, wie sein Held mit frommem Sinn das jüdische Wochenfest beging. Daher soll auch Tobias zum Auserwählten und als Musterbild für die Bethätigung des den Gestorbenen gegenüber zu beweisenden Liebesdienstes, der Bestattung der Todten, würdig befunden werden. Ein solcher mit so großer