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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1872-01-01 · 1-2 (1872) · p. Seite 68

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
10 (1872)
Issue
1-2 (1872)
Date
1872-01-01
Page
Seite 68 (sequence 71)
Language
German
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68 VI. Kohut, das Buch Tobias. Von dieser Zeit ab war aber auch die Lage der Juden, trotzdem daß viele talmudische Gesetzeslehrer am persischen Hofe wohlgelitten, ja sogar eine achtbare Stellung einnahmen — einer steten Fluctuation unterworfen. Bald begünstigt, bald verfolgt, mußten sich die Juden Persiens manchen Gewissenszwang in der Ausübung ihrer Religion und Gebräuche gefallen lassen. So war — um hier nur das Allerwichtigste zu erwähnen — seit Ardeschir I. den Juden verboten das Begraben der Todten 1). Der Talmud (Jebamoth 63 b) hat uns diesbezüglich eine Notiz aufbewahrt, die uns die Angst und den Schrecken, mit welchen diese barbarische Verordnung der fanatischen Sasaniden die damaligen Juden erfüllte, deutlich verdolmetschen kann. Es heißt nämlich daselbst: ״Es spricht der Verächtliche?) im Herzen: es giebt keinen Gott" (Psalm 14, 1). Mit diesem Verse, sagt R. Jochanan, können die דםדים! — Gueber (Neu- Perser) bezeichnet werden. Als man R. Jochanan (der in Palästina wohnte) mittheilte, die Gueber drängen in das jüdische Babylonien ein, ״da krümmte er sich" (vor Schmerz) und richtete sich nur auf, nachdem er vernahm, sie würden sich mit Geldbestechung abstnden lassen. Unter den drei Verhängnissen, wird daselbst ferner berichtet, war eins ״ קא בלחטטי שכביdaß sie (die Gueber) die Todten aus ihren Gräbern rissen". .Dieses Verhängniß, wird hinzugefügt, ward von Gott als Strafe eingesetzt dafür, weil die Juden an den Perfischen Feiertagen sich betheiligten (בלפני ששבלחים ביום אידם), oder, wie anderwärts mitgetheit wird, weil die Juden an den persischen Gastmählern Theil nahmen. Was nun das Verbot der Bestattung der Todten angeht!, ist es bekannt, mit welcher Strenge die zarathustrische Religion darüber wacht. Das ganze'., und zwar längste Capitel des Zendavesta (der 8. Fargard) handelt über die Leichenceremonie. Ganz übereinstimmend mit dem talmudischen Bericht geht aus Fargard III, 123 fg. hervor, daß die Todten, wenn sie beerdigt worden wären, durch irgend eine himmelschreienden Frevel, wieder ausgegraben werden müssen. So heißt es daselbst: ״Wenn man in diese Erde tobte Hunde oder todte Menschen eingräbt und *) Spiegel daselbst S. 24; vgl. auch unsere Angelologie S. 12 fg. 2) Da der Emporkömling Ardeschir BLbegun von niedriger Geburt war, paßt auf den Begründer des SnsLnidenhauses und der von ihm datirten Neuperser sehr gut die Anwendung von ^נב der Verächtliche, Niedrige.

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