Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 10 (1872)
- Issue
- 1-2 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 67 (sequence 70)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2420973-2421013-2421014--2986-2423836- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
VI. Kohut, das Buch Tobias. 67 Nicht ganz der Wahrheit nahe scheint mir zu kommen die Vermuthung des sonst so scharfsinnigen Windischmann (Z. St. S. 145), welcher ebenfalls von der Uebereinstimmung des Aeshmadai mit dem zendischen Aeshmadaeva ausgehend, aus dieser Identität die Folgerung zieht, ״daß der über ninivitische und medische Zustände wohlunterrichtete Verfasser des Buches Tobias, der offenbar aus Familienquellen schöpfte, für das siebente Jahrhundert die ganz speciell in den zarathustrischen Kreis gehörige Vorstellung von dem Dämon Aeshma bezeugt, während umgekehrt das Vorkommen des Asmodäus in den Zendschriften ein Zeugniß ist für die richtige Kenntniß, die der Verfasser des Buches Tobias von dem damaligen Medien hatte". Wenn nun auch diese im Punkte der verwandten gemeinsamen religiösen Vorstellungen des Buches Tobias und des Parsismus unbestreitbar richtige Ansicht bei Weitem nicht die herbe Abfertigung Ewald's (Geschichte des Volkes Israel B. IV. S. 274 Anm. 1) verdient, so hat Ewald doch darin Recht, daß die Abfassungs des Buches Tobias nicht in das vorchr. 7. Jahrhundert hinaufgerückt werden kann. Die Uebereinstimmung des Aeshmadai mit dem persischen Aeshma kann, wie die im Talmud — dessen Abschluß am Ende des 5. Jahrhunderts nach üblicher Zeitr. erfolgte — enthaltene und ausführlich dargelegte Aeshmadai-Sage *) bezeugen kann, ganz gut auch aus der späteren Zeit herrühren. Diese spätere Zeit ist meiner Ansicht nach die Zeit der Säsäniden- Herrschaft. Wie bekannt, vollzog sich mit dem Sturze des letzten Partherkönigs Artaban und der Begründung der Sasanidendynastie durch den Emporkömmling Ardeschir Babegan nicht bloß eine Politische, sondern auch religiöse Umwälzung. Die unter den Partherkönigen in Verfall gerathene Lichtreligion Zarathustras gelangte wieder zu Ehren und die Könige aus dem Hause Sasän überboten - sich geradezu in fanatischer Ausübung und Verbreitung der alteranischen Lehren. Aus dieser Zeit nun — in welcher auch die reichentfaltete neupersische Literatur ihre Blüthe erreichte 2) — rühren die gegenseitigen Wechselbeziehungen zwischen Juden und Neupersern. *) Vgl. die bereits citirte Gittinstelle und unsere Angetologie S. 72 fg. Als Beweis für die spätere Entwicklung der Aeshmasage, aus welcher die Aeshmadailegende floß, diene der Umstand, daß Aeshma in den neueren Schriften (*.״**£>) als Dämon des Zorns gilt; ganz so auch im Talmud 1.0. und Tobias. -) Vgl Spiegel's Avesta-Uebersetzung B. I. S. 16 sg.; 282 sg. 5»