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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1872-01-01 · 1-2 (1872) · p. Seite 64

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
10 (1872)
Issue
1-2 (1872)
Date
1872-01-01
Page
Seite 64 (sequence 67)
Language
German
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64 VI. Kohut, das Buch Tobias. Erblindung und von der Art des Geheiltwerdens mit der, allerdings eränisch gefärbten, gleichgearteten Sage, wenn schon nicht identisch so doch als verwandt erkennen. Und daß die Priorität der Sage nicht dem Verfasser der Dichtung Tobias, Wohl aber der parsischen Mythengeschichte zu vindiciren ist, steht Angesichts der in diesem Buch vorhandenen zahlreichen persischen Anschauungen, außer allem Zweifel. IV. Zu diesen persischen Anschauungen, die im Buche Tobias eine gastliche Aufnahme gefunden, sind zu zählen nachfolgende Sätze: ״Du wirst dir dadurch einen Schatz sammeln zur Zeit der Roth" (Cap. IV, 9). Auch die Parsen nahmen an, daß im Himmel ein Schatzhaus (Mihväna immer nützender Ort) vorhanden sei, wo die überzähligen guten Werke der Frommen aufbewahrt werden; vgl. Vend. XIX, 122 und Spiegel's Anmerk, dazu; Siroza I, 30; II, 30. In den neueren Schriften heißt dieser Schatz ״das immer Nützliche", vgl. Spiegel ,,Der neuzehnte Fargand" S. 8 der dritten Abtheilung. Daß auch im Talmud und den Midraschim dieselbe Vorstellung anzutreffen ist, haben wir anderwärts nachgewiesen 1). V. ״Trinke nicht Wein bis zur Trunkenheit, und Rausch laß nicht in Geschäften deinen Begleiter sein" (Cap. IV, 15). Auch im Parsismus war die Trunkenheit so sehr verpönt, daß sie durch die Dämonen Banga und Vibanga personificirt wurde, vgl. Vend. XIX, 138; It. 24, 26. So versichert uns auch Ammian, daß die Perser seiner Zeit die Trunksucht wie die Pest gemieden haben; vgl. Rapp Zeitsch. d. D. M. G. B. 20 S. 102. VI. ״Lege dein Brod auf das Grab der Frommen" Cap. IV, 18. Dieser sonst gar nicht verständliche Satz wird auch nur aus dem Parsismus erklärlich. Es war nämlich die heiligste Psticht des Mazdaha^niers (Rechtgläubigen), daß er, nachdem die Leiche auf den Dakhma gesetzt war, darauf sonne- und mondförmige Brode (Draonas) legte 2). Sieh hierüber ausführlich bei Spiegel Avesta- 0 Vgl. unsere Abhandlung Zeitsch. d. D. M. G. 1. c. 561 und 568. 2) Nicht zu verwechseln ist hiermit die auch bei Juden üblich gewesene Sitte der Leichenmahle bei Beerdigung angesehener Männer, vgl. 2 Sam. III, 35; Jerem. XVI, 7; Ezech. XXIV, 17; Hosea IX, 4. Bei solchen Mahlzeiten pflegte es sehr Luxuriös herzugehen, vgl. Joseph. 5611. jud. 2, 1, 1. Auch bei Homer (JLiad. 23, 28; 24, 802; Odyss. 3, 309) wird solcher Leichen- Mahlzeiten (raV-os) Erwähnung gethan.

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