Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 10 (1872)
- Issue
- 1-2 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 63 (sequence 66)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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VI. Kohut, das Buch Tobias. 63 nahe die einzige Quelle, auf die wir für die dem Kaikaus zugeschriedenen Thaten und Begebenheiten angewiesen sind. Firdusi erzählt uns nun *): Kaikaus habe, veranlaßt durch einen als Sänger verkappten Dämon, der die Schönheiten Mazendräs ergreifend pries, den Wunsch gehegt, dieses Land zu erobern. Er kündigt daher seinen Helden den Zug dahin an, die aber nicht wenig bestürzt sind, nicht etwa weil sie nicht genug Muth besäßen, Wohl aber, weil sie sich mit Dämonen, von denen Mazendran bewohnt ist, zu kämpfen nicht getrauen. Trotz des Sträubens der Vasallen muß dem Machtgebot des Königs Folge geleistet werden und der Zug setzt sich in Bewegung gegen Mazendran. Der König dieses Landes, dem nach einer Woche von der Invasion der Eranier Kunde geworden, entsendet eine Botschaft an den eigentlichen Landesherrn, den Dev-i-safe'd (den Weißen Dämon). Dieser verspricht zu helfen. In einer stockfinstern Nacht regnet es Steine und Ziegel auf den König Kaikaus und sein Heer. Bei Tagesanbruch ist der König sammt dem größten Theil des Heeres erblindet, sie werden in Ketten gelegt und nothdürftig genährt. Als die Nachricht von diesem Nationalunglück in die Ohren des 200 Jahre zählenden Helden Zal dringt, fordert er seinen Sohn Nustem auf, dem erblindeten König beizustehen. Im Vertrauen auf den göttlichen Beistand begiebt sich auch Rustem auf den Weg nach Mazendran. Nach vielen glücklich überstandenen Gefahren und Abenteuern langte er am Ziele seiner Reise an. Nach Besiegung des Dev Arzheng bricht sich der Held Bahn zum erblindeten und gefangenen König. Allein der freie Abzug aus Mazendran kann nur durch Besiegung des Weißen Dev erfolgen. Zudem ist ja Kaikaus erblindet und kann er nach Urtheil der Aerzte nur durch das Herzblut des Weißen Dev geheilt werden. Rustem überfällt den in einer dunklen Höhle schlafenden Dämon, und nachdem er ihn geweckt hat, entwickelt sich ein sehr heftiger Kampf, aus welchem endlich Rustem als Sieger hervorgeht. Er nimmt Herz und Leber des Weißen Dev mit sich; von dem Herzblut desselben träufelt er auf die Augen des Kaikaus, das übrige Heer erhält die Leber und sie werden alle sehend. Die weiteren mythologischen Züge gehen uns hier weiter nicht an. Allein in dem Mitgetheilten wird Jeder die Grundzüge der Tobiaslegende von der 0 Siehe über das Folgende Spiegel's erünische Alterthumskunde S. 584 sg.