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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1872-01-01 · 1-2 (1872) · p. Seite 62

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
10 (1872)
Issue
1-2 (1872)
Date
1872-01-01
Page
Seite 62 (sequence 65)
Language
German
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62 VI. Kohut, das Buch Tobias. geben weiß. Denn da die Pflicht der Vollziehung der Leviratsehe nur dem Bruder des kinderlos Verstorbenen obliegt (Deuter. 25, 5 fg-), so ist nicht abzusehen, was den Verfasser des Buches veranlaßt haben mag, so oft die Verpflichtung der Verwandtschaftsehe Zu betonen. Die Verletzung dieser Pflicht ist sogar nach Cap. VI, 12 mit der Todesstrafe belegt! was nun ganz und gar nicht der Fall ist; am allerwenigsten aber trifft den Schwiegervater im Falle der Unterlassung der Leviratsehe irgend eine Strafe. Alle diese Schwierigkeiten lösen sich, wenn wir an die hohe Verdienstlichkeit der Verwandtschaftsehen (quäetvodatha) bei den Persern denken. Die alten und neuen persischen Schriftsteller werden nicht müde, die hohe Tragweite der unter den nächsten Verwandten eingegangenen Ehe zu schildern. Diese auch in den Urtexten erwähnte Sitte (Visp. III, 18 vgl. Justi Zendl. 8. v. S. 86) bringt Spiegel sehr richtig mit der Stammeseinrichtung der eränischen Völker in Verbindung; sie ging aus dem Familienstolz und dem Wunsche das Blut rein zu erhalten hervor 1). III. Kehren wir nun wieder zu Tobias zurück! Wir hören ihn (C. II, 9 fg.) darüber Klage führen, daß, nachdem er den Liebesdienst der Bestattung vollzogen und sich an die Hofmauer mit unverhülltem Gesicht hingelegt hatte, acpoiSavaav rä OTQOV&ia &8Qf10v 6lg rovg bcp&aX^jiovg fiov, xai tyevtf&tj Xeiwco/nara kv roig 0(p&a?u107g fiov. Wir haben bereits erwähnt, daß Raphael den jungen Tobias Herz, Leber und Galle des Fisches, den dieser tödtete, Wohl zu bewahren hieß und mit dem Herzen und der Leber vor Aeshmadai räuchern; mit der Fischgalle aber die Augen des blinden Tobias einreiben ließ, welch angewendetes Heilmittel auch wirklich dem Tobias das Augenlicht wiedergab (C. VI, 4 fg. vergl. mit XI, 10 fg.). Auch für dieses Moment sind wir im Stande eine Analogie aus der persischen Mythengeschichte beizubringen. Den Beleg giebt uns die Geschichte von Kaikaus, — dem Kava Uga des Zendavesta. — Ueber ihn handelt Firdusi sehr ausführlich und ist er auch bei- ף Bgl. Spiegels Avesta-Uebersetz. B. II Einl. S. XXVIII; XCIV; Spiegel's Anmerkung zu Vsp. III, 18; dessen ״Erun" S. 302 fg. Die Ansichten der römischen und griech. Schriftsteller über die bei den Persern übliche Verwandtschaftsehe hat zusammengetragen Rapp in der Zeitsch. der deutsch-morg. Ges. B. 20 S. 112 fg.

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