Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 10 (1872)
- Issue
- 1-2 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 61 (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2420973-2421013-2421014--2980-2423830- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
VI. Kohnt, das Buch Tobias. Gl II. Wenden wir uns Zu der Hauptperson des Buches, zu Tobias. Nachdem er sich Cap. I, 3 fg. dem Leser vorgestellt und seine kurze Lebensbeschreibung vorgesührt hat, sagt er V. 9: Kal ots kysvo^v avi)o, sXaßov ”Avvav yvvaixcc Ix tov ansQ^axog tijg TiaTQiag Daß Tobias eine Verwandte geheirathet zu haben rühmend erwähnt, würde weiter nicht auffallen (zumal wir uns an Genes. 24, 2; 28, 2 erinnern), wenn der Gedanke der Verwandtschaftsheirath nicht so oft im Buche Tobias wiederkehren würde. So klagt z. B. (C. III, 15) Sarah: ״ich bin das einzige Kind meines Vaters, er hat weder sonst ein Kind, das ihn beerben könnte, noch einen nahen Verwandten, oder den Sohn eines solchen, dem ich mich als Gattin aufbewahren sollte". Cap. HI, 17 wird Raphael entboten: ״die Sarah — dem Tobiah, dem Sohn des Tobi zur Frau zu geben — weil sie durch das Verwandtsschaftrecht ihm zugehörte". C. IV, 12 legt der Vater Tobias seinem Sohne ans Herz: ״nimm dir eine Frau von deinen Stammverwandten". C. VI, 11 sagt Raphael zu seinem Reisegefährten: er wolle für ihn bei Sarah einen Heirathsantrag stellen, ״weil sie (Sarah) dir nach Rechten Zugehört und du der einzige aus ihrer Verwandtschaft bist" und Vers 12 heißt es gar (offenbar mit Beziehung auf Numeri 36, 6—9): ״ich weiß, daß Reuel sie einem anderen Manne nach dem Gesetze Mosis nicht geben kann ohne des Todes schuldig zu werden"(!). Das. V. 15 bringt Raph. dem Bedenklichkeiten äußernden jungen Tobias die Worte seines Vaters, eine Verwandte zu heirathen, in Erinnerung. Als Reuel den Heirathsantrag vernahm, antwortete er, als wenn sich das von selbst verstände: ״dir kommt es zu mein Kind zu heirathen" (Cap. VII, 10) und das. V. 12 nochmals: ״Du bist ihr Verwandter, dir gehört sie". C. VIII, 7 betet der junge Tobi: ״nun, Herr, nehme ich diese meine Anverwandte nicht in Unehren, sondern nach Recht und Ordnung", als wollte er hierdurch das besonders Verdienstliche seiner Handlung betonen. Welche Bewandtniß hat es nun mit dieser Verwandtschaftsehe? Denn daß man nicht schlechtweg an die Leviratsehe denken kann, hat bereits Guttmann (die Apocryphen des Alten T. S. 153 Anmerk.) gefühlt, wenn er auch keinen hinreichenden Erklärungsgrund anzuvon speciflsch persischen, also den an Ort und Stelle seines Aufenthaltes (vgl. weiter unten) herrscheuden Allschauungen hätte ganz und gar beeinstussen lassen.