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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1872-01-01 · 1-2 (1872) · p. Seite 50

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
10 (1872)
Issue
1-2 (1872)
Date
1872-01-01
Page
Seite 50 (sequence 53)
Language
German
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50 VI. Kobrtt, das Buch Tobias. Buch richtig verstehen will, und die den eigentlichen Gesichtspunkt eröffnen; nehmlich K. II, 14, wo die Frau des Tobi sagt: Wo ist denn Deine Tugend und Deine Wohlthätigkeit, wenn Du alles so genau weißt? Und K. XII, 7 in der Rede Raphaels: Thut Gutes, so wird euch nichts Böses treffen. Gutes ist Gebet mit Fasten, Wohlthätigkeit und Redlichkeit". Nicht wesentlich verschieden hievon ist auch die Ansicht von de Wette, der zufolge ״die Lehre von der Belohnung der im Vertrauen zu Gott in guten Werken und im Gebete ausharrenden Frömmigkeit anschaulich gemacht werden soll" (vgl. C. XII, 7 fg.). Nun sei nur noch die Meinung Ewald's erwähnt, die dahin geht, der Zweck sei kein anderer als der, den in der Fremde und der weiten Entfernung von Jerusalem zerstreuten Bekennern der wahren Religion nicht bloß die Pflichten dieser Religion, sondern vorzüglich auch die Heilighaltung der engeren Verbindung mit Jerusalem und seinem Tempel zu empfehlen. Das Büchlein enthalte die Aufforderung, den wahren Gott ״auch mitten unter und vor Heiden" laut zu Preisen. Ewald verweist zur Bestättigung seiner Auffassung auf 13, 3. 5 vgl. mit 1, 4—8; 5, 13. Gegen diese Versuche von der Zweckbestimmung des Buches Tobias ist jedoch in Kürze einzuwenden: Einmal wird die Moral der Dichtung bald zu eng, bald zu weit gefaßt. Sodann lehnen sich die gegebenen Ansichten an je einen aus dem Ganzen herausgegriffenen Passus, welchem alles Uebrige in der Erzählung als nebensächlich sich unterordnen muß, ohne jedoch — woraus es aber in erster Reihe ankommt — den teleologisch - paränetischen Gedanken, auf welchem das ganze Buch beruhen soll, fortlaufend durch die ganze Erzählung Nachweisen zu können. ׳ Endlich aber führt uns keine der erwähnten Ansichten auch nur zu einer annähernden Fixi-- runa der Abfafsungszeit des Buches Tobias. So lange wir aber über diese sowie über das Vaterland des Autors im Dunklen sind, können wir unmöglich zum eigentlichen Kern der Moral des Buches Vordringen. Sind doch sogar nach den gedachten Angaben die dem Buch zu Grunde liegenden dogmatischen Anschauungen insofern im unvermittelten Gegensatz zu dem Vaterlande des Autors, als dieses entweder Palästina oder Aegypten sein soll, während, wie wir im Verlaufe der Untersuchung Zeigen werden, die Grundanschauungen des Verfassers der Geschichte Tobi's in der persischen Religion, ja sogar pers. Mylhologie wurzeln.

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