Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1872-01-01 · 1-2 (1872) · p. Seite 49

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
10 (1872)
Issue
1-2 (1872)
Date
1872-01-01
Page
Seite 49 (sequence 52)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2420973-2421013-2421014--2968-2423818
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

VI. Kohul, das Buch Tobias. 49 VI. Etwas über die Moral und die Äbsajsnngs;eit des Luches Tobias. Von Oberrabbiner Dr. Alexander Kohu t. Obgleich der in dem Buche Tobias auftretende Held ein Jude war, der ״sich stets der Redlichkeit und Rechtschaffenheit beflissen und seinen Stammverwandten vielerlei Wohlthaten erwiesen^hatte" (C. I, 3); obgleich ferner der Verfasser des Buches die darin auftretenden Personen vom Geiste der Frömmigkeit und wahrer Humanität beseelt sein läßt; obgleich endlich das Buch zahlreiche Excerpte aus der heiligen Schrift enthält: ist dennoch dasselbe nie zu den kanonischen Schriften gezählt worden. Dies bezeugt bereits Origenes in epistola ad Africanum, wofür auch der Umstand spricht, daß sowohl Josephus und Philo als auch die ältesten Verzeichnisse des jüd. Kanons bei den Kirchenvätern Melito, Origenes, Hieronhmus, von einem Buche Tobias nichts wissen. Nach vielen Fluc tuationen, nachdem es bald zu den Apocryphen wie durch Athanasius, Cyrillus, Gregorius, Epiphanias u. s. w., — bald zu den lesenswerthen Büchern — wie durch Augustin, - bald sogar, wie durch Ambrosius — zu den prophetischen Schriften gezählt wurde, hatte es das Tridentinische Concil feierlich für einen Theil des Kanons erklärt und jeden, der dessen Kanonicität leugnen wollte, mit dem Anathem belegt. Auch darin waltet über Tobias ein eigenthümliches Geschick, daß man, trotz der in isagogischen Schriften wie in Monographien angestellten sorgfältigen Untersuchungen, nicht einmal über die, bei jedem Geistesproduct den Lebensnerv bildenden zwei Punkte: über die Moral und die Abfassungszeit des Buches Tobias ins Reine gekommen ist. In Betreff des ersten Punktes meint Eichhorn, die Absicht des Verfassers sei auf die sinnliche Darstellung des Grundsatzes gerichtet gewesen, ,,daß das Gebet frommer gekränkter Menschen von der Gottheit erhört werdet Berthold erkennt als den Hauptgedanken des Buches den von dem beständigen Wechsel des menschlichen Lebens von Glück zu Unglück und von Unglück zu Glück. Ilgen spricht sich diesbezüglich also aus: ״In unserem griechischen Text sind zwei Stellen, aus die alles ankommt, wenn man das BierteljahrsichiUft X. 1 u. 2. 4

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.