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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1872-01-01 · 1-2 (1872) · p. Seite 46

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
10 (1872)
Issue
1-2 (1872)
Date
1872-01-01
Page
Seite 46 (sequence 49)
Language
German
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46 V. Ohrringe. Cultusreform, welche mit der Verdrängung des rohen Simeonstammes mit seinem bluttriefenden Gottesdienste im Zusammenhänge steht und welche auf die Urzeit unter Jakob zurückdatirt wird, läßt der Berichterstatter der Genesis diesen zu seinem Hause sagen: entfernt die fremden Götter, welche in eurer Mitte (31, 2), und sie gaben dem Jakob alle fremden Götter, welche in ihrer Hand, und die ״Nesamim^, welche in ihren Ohren (V. 4). Wiederum aber spricht Aharon zum Volke, das einen Gott angefertigt haben will: löset die goldenen ״Nesamim", welche an den Ohren eurer Frauen, Söhne und Töchter, und bringet sie mir, und das ganze Volk entledigte sich der goldenen ״Nesamim", welche an ihren Ohren, brachten sie Aharon, der dann daraus ein gegossenes Kalb machte (Exod. 32, 2 ff.). Zur Anfertigung der Goldgeräthe für die Stifts- Hütte brachte dann aber auch das Volk neben dem nn, dem Nasenring, auch den ״Nesem", der wiederum nichts Anderes als den Ohring bedeuten kann (das. 35, 22). Auch bei dem alten Propheten Hosea, wenn er Israel als ein buhlerisches Weib darstellt, das den Vaalim nachgeht und sich mit dem ״Nesem" schmückt (2, 15), ist der Ohrring als götzendienerischer Schmuck zu verstehn. Und so begegnen wir ihm dann auch, wenn sich Judith für den heidnischen Feldherrn schmückt (10, 4). Gerade deßhalb tritt der Ohrring später in der biblischen Literatur zurück, der ״Nesem" wird nur noch von dem Nasenringe als erlaubtem Schmuckgegenstande gebraucht, während für den Ohrring ein anderer Ausdruck aufkommt, nämlich עגיל. So setzt EZech. 16, 12 neben einander: ״ich gab den ״Nesem" an deine Nase und die ״'Agilim" an deine Ohren". Unter den wiederum von den Midiadianitern — vgl. oben bei Gideon — erbeuteten Gegenständen zählt der Berichterstatter in Numeri (31, 50) den ״Agil" auf und nennt keinen ״Nesem", wie umgekehrt in Exod. 35, 22 kein Ägil vorkommt. So begegnen wir dann den Nasenringen, נזנלי ד!אף, mit denen sich die Töchter Zion's schmückten, bei Jes. 3, 21, und der Spruchdichter vergleicht die äußere Schönheit eines Weibes, dem es an Einsicht und Anmuth gebricht, mit einem goldenen Nesem an der Nase eines Schweines (Spr. 11, 22), und so dürfte auch das unbestimmt gebrauchte goldene Nesem in Spr. 25, 12 und Hiob 42, 11 von dem Nasenringe zu verstehen sein. — Sehr belehrend über die Umwandlung in Anschauung und Wortbedeutung ist nun wieder die Verschiedenheit, welche sich in der Erzählung von der

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