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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1872-01-01 · 1-2 (1872) · p. Seite 44

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
10 (1872)
Issue
1-2 (1872)
Date
1872-01-01
Page
Seite 44 (sequence 47)
Language
German
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44 IV. Griinebaum, die Sklaven. faßt werden kann, als bloß facultativ auf: ״Ihr könnt sie im Sklavendienst halten, d. h. sie werden nicht wie die jüdischen Sklaven im siebenten Jahre de jure frei. Doch auch R. Akiba bat anerkannt, daß der heidnische Sklave, der in giltiger Form von seinem Herrn freigegeben wurde, frei bleibe 1). Schließlich haben wir noch zu bemerken, daß der Rabbinismus zwar gestattet, den heidnischen Sklaven mit Strenge zu behandeln, daß aber Maimonides ausdrücklich betont, daß dies die civilrechtliche Seite sei, daß aber trotzdem die Religion Liebe und Milde auch gegen ihn gebiete. ״Obgleich es juristisch gestaltet ist", schließt Maimonides seine Gesetze von den Sklaven, ״den heidnischen Sklaven mit Strenge zur Arbeit anzuhalten, so ist es doch Gebot der Frömmigkeit und Weisheit, auch gegen den Sklaven barmherzig und liebevoll zu sein, ihn nicht zu bedrücken und zu quälen; im Gegentheil, man lasse auch ihn am eigenen Tische als völlig Gleichen behandeln. Die alten Weisen gaben dem Sklaven von jeder Speise, die sie selbst genossen... Es heißt in der h. Schrift: ״Wie das Auge der Knechte auf ihren Herrn, wie das Auge der Magd auf ihre Herrin gerichtet ist, so sind unsere Augen auf Gott, unfern Herrn, gerichtet, daß er uns Liebe erweise." Ebensowenig beschäme man den Sklaven durch Geberden oder Worte: ihren Dienst hat uns die h. Schrift gestattet, nicht aber sie zu beschämen. Auch schreie der Herr den Sklaven nicht an, sei nicht zornsüchtig gegen ihn, sondern spreche milde zu ihm und höre (wenn er gefehlt) dessen Vertheidigung an. Auch Job hat sich dieser Tugenden gerühmt. ״Wenn ich das Recht meines Knechtes oder meiner Magd verachtet hätte . .. Hat er (Gott) sie nicht geschaffen wie er mich geschaffen und sie gebildet in gleichem Schooß? Hartherzigkeit und Frechheit darf nur bei den Heiden gefunden werden. Die Nachkommen Abraham's, welchen Gott die Wohlthat der Offenbarung gewährt, welchen er gerechte, liebevolle Gesetze gegeben hat, müssen liebevoll gegen alle Menschen sein, wie es von Gott dem Herrn heißt: ״Sein Erbarmen ist gegen alle seine Geschöpfe", und ihm nachzueifern ist unsere Pflicht. Wer immer Erbarmen bewährt, dem wird Gott sein Erbarmen gewähren". So sehn wir also auch hier, einmal, wie eine fortwährende ג) Gittin 38, b. Maim. 1. 1. 9, 6.

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