Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 10 (1872)
- Issue
- 1-2 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2420973-2421013-2421014--2935-2423785- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
16 III. Zur Nakdanim-Literalur. ten die Punctatoren nicht selten absichtlich die Aussprache, versahen ein und das andere Wort mit Vocalen, die, dem Zusammenhänge nach, ihm hier nicht angehörten, und gestalteten so den Sinn um, brachten aber auch meistens damit völlige Verwirrung in das Verständniß. Dasselbe Lhaten die Accentuatoren, indem sie die verbundenen Worte aus einander rissen und sie in eine andere, weniger natürliche Verbindung brachten, wodurch abermals der Zusammen- Hang gestört ward. Es störte sie nicht, dem Sinne einen Zwang anzuthun, wenn nur der Zweck, den eine gewisse peinliche Scheu ihnen vorschrieb, damit erreicht war. Gewohnt aber, in ihnen sichere, von einer treuen Tradition geleitete Führer zu erblicken, ist der schlichte Leser verblüfft und unfähig, ihre oft sehr subtilen Rücksichten zu begreifen, lastet er nach einem Verständnisse umher, das ihm nur dann gelingen kann, wenn er die irreführende Anleitung aufgiebt. So sind wir denn den Männern, welche mit so großer Sorgfalt unfern Bibeltext mit allerhand Zeichen versehen haben, Wohl für manche Erleichterung, die sie uns damit darbieten, zu Dank verpflichtet, wir achten ihre hingebende Thätigkeit, auch wo sie überflüssig ist, wissen ihre Gewissenhaftigkeit zu würdigen, selbst wenn sie ins Kleinliche ausartet; aber wir können es nicht verbergen, daß ihr Verfahren meist ein sehr äußerliches, ihr Augenmerk auf sehr unwesentliche Dinge gerichtet war, und indem sie diese mit Vorliebe behandelten, haben sie unfern Text nur zu oft verunstaltet und vom richtigen Verständnisse abgelenkt. Es ist daher nothwendig, daß wir uns allmählig entschließen bei Wiedergabe des Textes unter den von ihnen dargebotenen Hülfsmitteln sorgsam zu unterscheiden, daß wir in verständiger Auswahl nur das wirklich Nöthige und Zweckmäßige davon beibehalten und das Ueberflüssige wie besonders das Irreleitende über Bord werfen. 2. Sosehr wir uns jedoch theilweise dem weitläufigen Apparate der Nakdanim entwachsen glauben mögen, so bleibt doch noch immer ein genügender Theil, der vielfache belehrende Andeutungen giebt und der dennoch noch nicht genügend zur allgemeinen Wissenschaftlichen Erkenntniß gebracht ist, und selbst der mehr überflüssige, ins Spitzfindige ausartende Theil verdient jedenfalls, als zur Geschichte des Textes, seiner Behandlung und Ausstattung gehörig, Beachtung