Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 10 (1872)
- Issue
- 1-2 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2420973-2421013-2421014--2934-2423784- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
III. Zur Nakdamm-Llteratur. 15 nach neuen Regeln zu fixiren uns ermahnt, während sicher damit die alte Aussprache dennoch nicht erreicht wird, diese selbst in dem wenig literarisch cultivirten Dialekte nie ihre volle Fixirung erlangt hat, weßhalb eben in der That die Vocalzeichen nicht festgestellt wurden. Kehren wir lieber im Hebräischen zum Einfachen und Nothwendigen zurück, statt auch in die Schwestersprachen einen in-!;altleeren Luxus einzuführen. Wir haben den andern Zweig, mit dem ein solch prunkvoller und noch weit mehr des Inhaltes baarer Luxus getrieben wird, noch kaum berührt, wollen ihm auch, da er sich weniger der allgemeinen Beachtung erfreut, nur einen kurzen Blick zuwenden; es ist das Gebiet der Tonzeichen. Hätte man es bei einigen wenigen Zeichen, welche das Verhältniß der Sätze unter einander bestimmen, bewenden lassen, etwa bei Silluk (Sof Paßuk), Arhnach und Sakef, so wäre damit etwas das Berständniß Förderndes geschehen. Allein man that wiederum des Guten Zu viel. Ein jedes Wort im Verse sollte sein Zeichen haben, die unscheinbarste Trennung durch ein eignes Zeichen dargestellt, die begleitenden und verbundenen Worte wieder mit einem andern, das sie als Gefolge kennzeichnet, versehen werden, auch die dadurch bedingte Modulation sollte damit ihre Feststellung erlangen. So ist ein Heer von Accenten erstanden, die in ihrer Mischbedeutung von Sinn- und Modulationszeichen, mit dem ihnen nöthigen Heerbanne einer Masse von Regeln und Ausnahmsbestimmungen den Text überfluthen, ihn eher unkenntlich und unverständlich machen als ihm nützen. Diesen gesellen sich nun noch die Strichlein hinzu, die Metheg, Ga'ja, Makkel und welche Namen man ihnen noch sonst beizulegen für gut fand, welche in Mitten des Wortes den Ton festhalten sollen, und die so anschwollen, daß eine Uebereinstimmung unter den verschiedenen Abschreibern und Regelanfertigern gar nicht zu erzielen war, man damit nie ins Reine kam, und selbst kundige und gerade diesem Gebiete sich zuwendende Bearbeiter endlich mißmuthig und überdrüssig die Feder niederzulegen sich gezwungen sahen. Zu allen diesen Verdunkelungen, welche die mit der Absicht aufzuhellen unternommenen Vorrichtungen der Punctatoren und Accentuatoren herbeiführten, kommen noch neue hinzu, welche von denselben geflissentlich über die Sätze ausgebreitet wurden. Wenn nämlich der Sinn eines Satzes ihnen anstößig war, sie es für gerathen fanden, Ü;u nicht so wadt dem Leser hinzustellen, so änder-