Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 10 (1872)
- Issue
- 1-2 (1872)
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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14 III. Zur Nakdan im-Literatur. so oft ihm ein Pathach vorangeht wie in גבה und ähnlichen Wörtern. Analog ist nun die Erfindung des s. g. verstohlenen Pathach, welches zu einem solchen mit Mappik versehenen He wie zu den entsprechenden Buchstaben Cheth und Ain hinzutritt, sobald ihnen ein anderer als der A-Laut, nämlich als Pathach und Kamez, vorangeht — eine Erfindung, welche die alte assyrische Punctation nicht kennt, — wie שיח ,בטדח ,שומע ,גברה und dgl. Abgesehen davon, daß hier wieder eine zur Kenntlichmachung der Wortform, also zur Sinneserklärung ganz gleichgültige, lediglich phonetische Peinlichkeit uns mit einem grammatisch ganz unbegründeten Voeale beschwert, tritt noch die Unregelmäßigkeit ein, daß, während sonst der Vocal in der Aussprache dem Buchstaben, welchem er beigegeben wird, folgt, er hier demselben vorangehn soll, der Leser also dem feststehenden Brauche mit einem Male entrückt wird! So ist unser Text mit einer Masse von Zeichen belastet — von der hier blos Beispiele gegeben sind —, welche die Aussprache regeln sollen, aber theils zu unbestimmt sind, um uns genügende Anleitung zu geben, theils nur unklar verwirren, jedenfalls aber für eine nicht mehr lebende Sprache, insofern sie blos phonetischer Natur sind, ganz überflüssig sind und durch ihre Ueberhäufung dem Leser einen schwer zu überwältigenden Ballast darbieten, die Grammatik zur weitläufigen und dennoch nicht erschöpfenden Behändlung sprachlich unerheblicher Dinge nöthigen. Ob wir uns von dieser Nakdanim-Weisheit gänzlich befreien können, steht freilich dahin, da sie sich einmal mit unserm Texte aufs Engste verwebt hat, ein Theil davon, wenn auch der geringere, Werth hat und von ihm nicht leicht der werthlose Ueberschuß abgelöst werden kann. Jedenfalls ist möglichste Beschränkung zu empfehlen und die Nachahmung überlebter Peinlichkeit nicht als verdienstliche, den Kenner bezeichnende Sorgfalt zu rühmen. Ich kann es daher auch als kein Verdienst betrachten, wenn man in unsere syrischen Ausgaben, die sich bis vor Kurzem von überflüssigen Zeichen freigehalten haben, nun die ganze Punkt- und Strich-Weisheit alter Abschreiber einführen will und das Lesen erschwert statt es zu erleichtern, wenn man für das Samaritanische, das es nun einmal zu einer Ausprägung seiner Voeale durch eine Punktation nicht gebracht hat, anstatt daß man es, wie bisher, nach Analogie die übrigen aramäischen Dialekte frischweg liest, nun der Anleitung eines gegenwärtigen unwissenden Priesters Zu folgen und die Aussprache