Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 9 (1871)
- Issue
- 1 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 78 (sequence 81)
- Language
- German
- Belongs to
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78 Aus Briefen. Wir empfehlen diese verständige Erörterung Allen, die sich mit den alten Bibelversionen beschäftigen. 18. Dec. Aus Wriefen. Von Hrn. I)r. I. Walz, New-Aork 21. Dec. 68. Sehr interessant war es mir, in den Sentenzen von Seneca in prägnanter Weise den Grundgedanken des Com.munismus ausgedrückt zu stnden: ,/1ui6ti88im6 viverent bomines in terris, si duo verba tollerentur;,meum“ et ״tuum“. Höchst merkwürdig wenn dieser Satz wirklich von Seneca herrührt und wie interessant eine solche Hauptfrage unserer Zeit schon im Alterthum angeregt zu sehen. — Noch andere Sentenzen habe ich gefunden, die mich sehr frappirten, z. B.: Quod tibi fieri non vis; alteri ne feceris und res optima est non sceleratos exstirpare, sed seelera, zwei Maximen die fast wörtlich ebenso im Talmud stehen. Ich vermuthe daher, daß diese Sätze unächt sind, oder daß Seneca dieselben aus jüdischen Quellen genommen hat und es wäre mir sehr lieb zu erfahren, welche von beiden Annahmen die richtige ist und wo man etwas darüber finden kann. Von Hrn. Prof. Dr. Stern, Göttingen 26. Dec. 1868. Prof. Valentin, der im Herbst eine Reise in Italien gemacht hat, hat mir interessante Notizen über dortige jüdische Verhältnisse mitgetheilt. Er ist auch in den jüdischen Katakomben in dem Randanini'schen Besitzthume in Rom herum gekrochen und hat als Andenken einige alte Judenknochen mit nach Bern zurückgebracht. Aus den christlichen Katakomben darf man kein Knöchelchen mit- «nehmen, wenn man nicht sein Leben riskiren will, denn die gelten Alle als Heilige und Märtyrer, Judenknochen dagegen stehen ad libitum zu Gebot. Auf einer Inschrift hat er ganz deutlich das Wort Qußßivov gelesen, es i\t dies offenbar nicht etwa der Genitiv eines Wortes Qaßßtvog, sondern die Uebertragung des hebräischen רביכו. Es ruht also wohl hier ein bedeutenderer Mann und es wäre interessant, wenn man dessen Namen lesen könnte, wie über- Haupt hier gewiß noch ein ergiebiges Feld für einen jüdischen