Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 9 (1871)
- Issue
- 1 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 77 (sequence 80)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2420973-2421017-2421018--2668-2423761- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Umschau. 77 ancient Reeension of the four Gospels in Syriac. Deren hohes Alter ist urkundlich nachweisbar; wie sie sich in Beziehung auf Priorität zur Peschito verhält, mag für uns dahingestellt bleiben. Nun hat neuerdings Hr. Crowfort es unternommen, durch Rück- Übersetzung den griechischen Text, welcher dieser Uebersetzung vorgelegen habe, Herstellen zu wollen: Fragmenta Evangelica, quae ex antiqua Recensione Yersionis Syriacae Novi Testamenti a Gul. Curetono vulgata sunt, Graece reddita. Dieser Versuch erscheint Hrn. R. Payne Smith, dem Recensenten in der Academy vom 15. Dec. (N. 15 S. 63 f.) mißlungen, und zwar eben deßhalb, weil Hr. Cr. eine wörtlich strenge Uebersetzung vor sich zu haben glaubt, während sie das durchaus nicht ist. ״Denn — so lauten seine Worte — je älter eine Uebersetzung, um so loser und paraphrastischer ist ihr Verfahren. Die alten Uebersetzer waren sehr unbekümmert um wörtliche Genauigkeit, gestatteten sich große Freiheit in der Hinzufügung oder Aenderung von Worten, wenn sie dadurch das Verständniß einer Stelle bestimmter Herstellen konnten. Auch die Peschito umschreibt immer und giebt uns mehr den Sinn als die Worte. . . Sie ist so ungenau, daß die Syrer selbst sie mit großer Unzufriedenheit betrachteten. Deßhalb veröffentlichte bereits 508 Philoxenus, Bischof von Mabug, eine mehr buchstäbliche Uebersetzung aus dem Griechischen, und ein Jahrhundert später verglich wiederum. Thomas, Bischof von Charkel, diese Uebersetzung mit den besten griechischen Handschriften, die damals in Alexandrien vor- Händen waren, und berichtigte sie danach. Seitdem wurde diese die in der syrischen Kirche geläufige Uebersetzung, und Barhebräus stellt häufig ihre Genauigkeit gegenüber der lockern Nachlässigkeit der Peschito . . . Streng buchstäblich, das syrische Idiom der wörtlichen Genauigkeit opfernd . . ., ist die Charklensische Version geeignet in das Griechische zurückübersetzt zu werden. Indem jedoch Hr. Cr. Dies für die Cureton'schen Bruchstücke versucht hat, können wir nur sagen, daß er etwas Unmögliches unternommen hat... . Es« giebt nun einmal zwei Riethoden im Uebersetzen, von denen die eine sich bemüht den Sinn wiederzugeben, während die andere buchstäbliche Genauigkeit anstrebt. Alte Uebersetzungen gehören der ersten Art an, greifen daher so oft in die Exegese ein, substituiren so durchgehends das, wovon der Uebersetzer denkt, es müßte so geschrieben sein, für das was wirklich geschrieben ist, daß bei ihrem Gebrauche die größte Vorsicht nöthrg ist...Y