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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1871-01-01 · 1 (1871) · p. Seite 54

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
9 (1871)
Issue
1 (1871)
Date
1871-01-01
Page
Seite 54 (sequence 57)
Language
German
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54 III Anhang 4. Essäer in der Halachah. von einem ״Chaßid" berichtend, bald werden auch bestimmte Personen als solche dargestellt, wie Chanina ben Doßa, Pinchas b. Jair u. A. Allein das von ihnen Erzählte trägt durchaus kein bestimmtes Gepräge, sondern die Erzählungen bekunden entweder nur ihre vorzügliche Gewissenhaftigkeit in Erfüllung religiöser Pflichten, oder sie berichten Wundersagen über sie. Eine ausgeprägtere Physiognomie tragen etwa blos zwei ausdrücklich als ״Chaßid" charakterisirte Personen, bei denen sich auch eine gewisse bestimmte Richtung Nachweisen läßt. Beide sind sie allerdings Priester gewesen, aber ihr Eifer, priesterliche Reinheit zu. wahren, überschreitet die Gränzen, die gewöhnlich innegehalten wurden. Der Eine ist Joße oder Josef b. Jo'eser, der Chagigah, 2, 7 ein Chaßid in der Priesterschaft genannt und von dem gesagt wird, daß sein Gewand zu allen Zeilen genügend 1*ein war, um den Genuß der Hebe zu ermöglichen, wenn auch nicht ausreichend, daß auch der Genuß des Opferfleisches ohne weitere Reinigung hätte gestattet sein können. Man sieht, daß er mit besonderer Sorgfalt auf seine levitische Reinheit bedacht war, obgleich von einem Andern das. noch ein höherer Grad berichtet wird, so daß derselbe auch zum Genüsse des Opferfleisches genügte. Ein anderer Priester, gleichfalls mit Namen Joße, ein Schüler Jochanan's ben Sakkhai, also um die Zeit der Tempelzerstörung, wird ebenso ausdrücklich von seinem Lehrer als ״Chaßid" bezeichnet (Aboth 2, 8). Wenn er auf die Frage seines Lehrers, was der Mensch als das rechte Verfahren ergreifen solle, die Wahl eines guten Nachbarn empfiehlt und umgekehrt schlechte Nachbarn als das Meidenswertheste betrachtet (das. 9): so dürfte sich darin der Charakter des ״Chaßid" ausprägen. Der gute Nachbar ist ihm nämlich nicht blos die Bürgschaft eines friedlichen Verkehrs, für die Fernhaltung jeder Möglichkeit eines Streites, sondern Wohl die innigere Verbrüderung in einem Bunde, der ein gemeinsames Gebiet bewohnt, ferner die Sicherheit, auch alle Verunreinigung durch nothwendige Berührungen von sich abzuhalten. Auch unter den drei Wahlsprüchen, die ihm beigelegt werden (das. 12), klingt der erste recht chaßidäisch; ״das Vermögen deines Genossen sei dir so Werth wie das Deinige" erinnert an den andern Ausspruch (das. 5, 10): wer da sagt, das Meine sei dein, das Deine bleibe dein, ist ein Chaßid, und steht in Uebereinstimmung mit der Gütergemeinschaft, welche von denEssäern überliefert wird. Auch der dritte Spruch: all dein Thun sei um Gottes willen, trägt chaßidäisches Gewand;

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