Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 9 (1871)
- Issue
- 1 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
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52 HI. Anhang 4. Essäer in,der Halachah. wodurch man die Beschädigung Anderer vermeide; Raba, ein noch späterer Amora aus dem 4. Jahrh., meint, man müsse dann die in dem Traetate Aboth vorgetragenen Lchren in Ausübung bringen oder, wie Andere berichten, man müsse sorgsam die Vorschriften über Benedictionen ausführen. Man sieht hieraus, daß diese Thalmudisten sich unter dem Chaßid nicht den Genossen' einer besondern Partei dachten, sondern blos einen in der Frömmigkeit vorzüglich Gewissenhaften. — Ebenso wird ikd Menachoth 40 d berichtet, daß die Chaß. Ha-risch, besonders achtsam darauf waren, den blauwollenen Faden recht zeitlich an die Schaufäden zu bringen, und es wird dann (41 a) von ihnen gesagt, sie hätten sich damit eine besondere Erschwerung auferlegt, die keine Nachachtung verdiene. Selbst die Uebungen, welche hier von den alten Chaßidim berichtet werden, tragen nicht das besondere Gepräge, welches man den Essäern aufgedrückt^ gemeinhin annimmt. Schärfer tritt dieses Wohl in einem andern Berichte auf; an allen Stellen jedoch, an denen er gegeben wird, scheint die mit der Thatsache verbundene Absicht etwas schief aufgefaßt zu sein, und der Bericht selbst ist an den verschiedenen Orten abweichend gegeben. Am treuesten ist Wohl, wie gewöhnlich, die Relation in Jeruschalmi Ans. Nedarim. Danach sagt Juda, die Chaß. Ha-risch. hätten das Verlangen gehabt, ein Sündopfer (Chattath) darzubringen, seien aber nicht in die Lage gekommen, weil sie keine Sünde selbst aus Jrrthum begangen, deßhalb hätten sie freiwillig das Nasiräatgelübde übernommen, das sie verpflichtet, nach Beendigung von seiner Dauer dann das Opfer darzubringen; Simeon aber meint, sie hätten damit eine Sünde begangen, weil die Uebernahme des Nasiräats mit seinen Entbehrungen eine sträfliche Selbstpeinigung sei. Nach einer andern Relation, wie sie Thoßeftha das. und Babli 10 a bringen, sagt Simeon, sie hätten wirklich das Nasiräat nicht übernommen, da sie ja andere Opfer außer dem Sündopfer freiwillig darbringen konnten. Wie gesagt, erscheint die Relation des Jeruschalmi, wonach beide Lehrer übereinstimmend aussagen, daß die alten Chaßidim das Nasiräatgelübde eifrig übernommen haben, und sie nur in ihrem Urtheile über dieses Thun abweichen, als die richtigere und nicht die andere, wonach Simeon die ganze Thatsache in Abrede stellt. Wenn aber in allen Relationen diese Lust nach dem Nasiräate mit dem Verlangen in Zusammenhang gebracht wird, einmal in die Lage zu kommen ein Sündopfer darzubringen, so scheint hier aus