Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 9 (1871)
- Issue
- 1 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2420973-2421017-2421018--2641-2423734- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
50 HI. Anhang 4. Essäer in der Halachah. und zwar neben den Pharisäern auch die Samaritaner (Khuthim), die Sadducäer nebst der Abzweigung der Boethusier (Herodianer), die Zeloten (Kannaim, galiläische Abart). Hingegen läßt sich eine Spur der Essäer kaum mit irgend welcher Bestimmtheit in dieser reichen Literatur auffinden. Nur die eine Stelle, welche gegen die am frühen Morgen vor dem Gebete Badenden ankämpft, darf mit Sicherheit auf sie bezogen werden. Jede sonstige Andeutung läßt höchstens eine Classe erkennen, die es mit gewissen Vorschriften strenger nimmt, als die Pharisäer es für räthlich oder für nothwendig halten, so daß sie auch hie und da ihrer Peinlichkeit Einhalt zu thun sich angetrieben fühlen, ohne daß sie jedoch in ihnen eine abweichende Parteiung perhorrescirten. Eine Hinweisung auf sie finde ich namentlich in einer Mischnah, die, soviel mir bekannt, bis jetzt noch nicht mit den Essäern in Verbindung gebracht worden. Megillah 4 (3), 8 heißt es: Wer da sagt: ich trete nicht vor den Schrank (als Vorbeter) in farbigem Gewand, der soll auch nicht in weißem hintreten; desgleichen wenn er fich weigert in Sandalen hinzutreten, so soll er auch nicht mit entblößten Füßen zugelassen werden. Hier haben wir offenbar die essäische Peinlichkeit, die ihren Gottesdienst im Gebete dem Opferdienste der Priester gleichstellen, und wie diese ihn in weißem Gewände und ohne Fußbedeckung verrichten, dieselbe Form auch für ihr gemeinsames Gebet beobachtet sehen will, während die Pharisäer diese priesterliche Aeußerlichkeit verwerfen. Die babylonische Gemara (24 b), welche mit den alten Verhältnissen nicht mehr genügend bekannt ist, sagt zur Erklärung dieser Maßregel: Es ist zu besorgen, es möchte Ketzerei ihm ein- ' geflößt sein, was ziemlich dunkel klingt. Hingegen steht es nunmehr fest, daß unter den in den Thalmüden häufig vorkommenden חכדיס und בני הכנסת an Essäer nicht gedacht werden darf. Vielmehr sind diese Benennungen, zuerst von den Priestern gebraucht, von den Pharisäern für ihre Verbindungen angenommen worden. Die Chaberim sind daher zunächst die Genossen des Pharisäismus, welche, gegenüber dem großen Haufen, darauf halten, daß sie vor dem Genüsse der Frucht die Abgaben davon an Priester und Leviten regelmäßig leisten, also keine unverzehntete Frucht essen, und ferner daß sie Personen und Gegenstände vor der Unreinheit bewahren nach den gesetzlich darüber geltenden Vorschriften. Bene Ha-Kheneßeth werden Solche genannt, die sich für gottesdienstliche Zwecke, auch für gegenseitigen Beistand,