Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 9 (1871)
- Issue
- 1 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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III. Die Essener. 37 übernahm der Pharisäismus die Verpflichtung, nur daß er in ihr eine nachbiblische Anordnung erblickte (vgl. auch Josephus gegen Apion II, 24). Er hielt dieselbe so fest, daß er auch das Lesen des Schema' wie das Verrichten des Gebetes in solchem Zustande der Verunreinigung untersagt (Mischnah Berachoth 3, 3. 4), und daß er umgekehrt selbst am Versöhnungstage, an welchem ein jedes Bad untersagt ist, dieses Bad ohne Weiteres gestattet (j. Berach. 3, 3. Joma 8, 1. Babli Joma 88 9. vgl. Schabbath 121a). Erst später entledigte sich der Pharisäismus dieser Bürde und erklärte das Bad für unnöthig (j. a. a. D. Babli Berachoth 22 a). Umsomehr mußte nun die Pharisäer ihr praktischer Sinn davon abhalten, daß sie etwa die völlige Meidung des Weibes empfehlen sollten. Anders jedoch die consequenten Essäer, die gerade bei diesem Falle als טובלי שחלית im Thalmud (er. den aa. DD.) Vorkommen und bekämpft werden. Sie, die an Reinheit den Priestern gleichstehen wollten, hielten an der Verpflichtung dieses Bades mit aller Strenge fest, und so kann es nicht auffallen, daß sie, das Princip der Selbsterhebung zum Priesterthume auf die Spitze treibend, eine jede Verunreinigung möglichst vermeidend, deshalb dem Weltverkehre entsagend, auch den ehelichen Umgang theils ganz perhorrescirten theils auf das Nothdürftigste beschränkten. Also die Essäer sind keineswegs ״aus einer Vermählung des Judenthums mit ostasiatischer Religionslehre entsprungen", wie H. will, sondern sie sind, wie schon Derenburg und Tideman richtig erkennen, der äußerste demokratisch-religiöse Vorposten des Pharisäismus, gerade wie die Zeloten dessen äußerste demokratischpolitische Vorkämpfer waren. Es ist daher nur, wie gleichfalls Derenburg schon richtig erkannt hat, ein abenteuerliches Spiel der Phantasie, die Entstehung des Christenthums vorzugsweise aus dem Essäismus ableiten zu wollen; diese zurückgezogene und einflußlose, daher in Evangelien und Thalmud 2) ganz mit Stillschweigen übergangene Partei ist es nicht, welche uns die Anfänge des Christenthums erklärt (vgl. diese Ztschr. Bd. V S. 264 f), vielmehr ist es der Pharisäismus. Aber freilich um diesen seiner ganzen Richtung und Entwickelung nach zu erkennen, genügt es nicht einige schwankende griechische Sätze Zu benützen und sich nach *) Vgl. unten Anhang IV.