Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 9 (1871)
- Issue
- 1 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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34 III. Die Essener. geschah Dies, weil die Besorgniß nahe lag, man möchte mit diesen etwa doch nicht so Verfahren sein, daß dabei allen priesterlichen Anforderungen genügt sei, keineswegs aber, weil sie ״mit den späteren Magiern und namentlich mit den Buddhisten nichts Lebendiges oder Berauschendes genießen" wollten. Daß diese Ent- Haltung aber essäische Sitte gewesen, ist noch sehr zweifelhaft, da Josephus davon gar Nichts berichtet, er vielmehr (Alterth. XVIII 1, 5) angiebt, daß sie ״ihre Opfer unter sich außerhalb des Tempels verrichten", d. h. ihre Mahle unter Beobachtung derselben Vorschriften zubereiten und abhalten, wie Dies für Opfer vorgeschrieben ist, also gerade den Fleischgenuß erlauben. Aehnlich verhält es sich mit ihrer ״Enthaltung von denblutigen Opfern des Tempels." Auch diese Annahme ist sehr zweifelhaft, da sie sehr schwach bezeugt ist. In der Hauptstelle (jüd. Krieg II, 8) erwähnt Josephus davon gar Nichts, obgleich er sonst mit der größten Ausführlichkeit alle ihre Gebräuche darstellt, ebensowenig in der andern kürzeren (Alterth. XIII, 5, 9), nur in der dritten (das. XVIII, 1, 5) sagt er: Eig Sa x0 iaqov avaß'r/fiuxa GxaXXovxag &vaiag ovx hinxaXovGi SiacpoQpxrjxt, ayvamv ag vofti^oiav, xai öl avxo alqyofiavoL xov xoivov kcp avxcov xäg ß'voLag kiuxaXovGi. Also sie schicken Weihgeschenke nach dem Tempel, vollziehen aber die Opfer nicht daselbst, weil sie aus gewissenhafterer Beobachtung der Reinheitsgesetze von dem Tempel sich fern halten, und sie vollziehen ihre Opfer unter sich. Soll das nun wirklich bedeuten, wie so scharf pointirt wird, daß die Essäer gar keine Tempelopfer, wenigstens keine thierischen, für sich darbringen lassen, daß sie etwa blos nichtthierische Gaben dem Tempel zusenden? Aber was bedeutet denn, daß sie ihre Opfer unter sich verrichten? Wie ist denn der Grund zu verstehen, den Josephus dafür angiebt: sie halten strenge auf die Reinheit und bleiben daher dem Tempel fern? — Man hat die Angabe des Josephus sicherlich mißverstanden, weil man nicht genügend in die Tendenzen des Pharisäismus eingegangen. Bei den Opfern, welche gemäß dem Gesetze auch von Privaten häufig darzubringen waren und denen sich die gesetzestreuen Pharisäer durchaus nicht entziehen konnten und wollten, strebten sie doch eine größere Betheiligung der Nichtpriester an, wenn sie auch die wesentlichen Dienstverrich- Lungen den Priestern überlassen mußten. Sie verlangten, daß die Eigenthümer die Hand auf das Opferthier legten, wenn es