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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1871-01-01 · 1 (1871) · p. Seite 33

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
9 (1871)
Issue
1 (1871)
Date
1871-01-01
Page
Seite 33 (sequence 36)
Language
German
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III. Die Essener. 33 Betrachtung des Salböls einen Streitpunkt bildet zwischen der altern durch die Schammaiten vertretenen und der jüngern demokratisch fortschreitenden Hillel'schen pharisäischen Richtung, daß die letztere es als Grundsatz ausstellt, es sei für einen Gelehrtenschüler nicht schicklich, von Salben duftend umherzugehen, habe die halachischen Consequenzen aufgezeigt, welche diese abweichende Betrachtung im Gefolge hat, habe besonders noch erörtert, wie sich die verschiedene Auffassung auch in abweichenden evangelischen Berichten scharf ausprägt. Diese Auseinandersetzung erfolgte (März 1868) ganz ohne Rücksicht auf die uns überkommene Nachricht von den Essäern, an die ich damals nicht gedacht, wie ich denn überhaupt diesen nicht die Bedeutung beilege wie manche Forscher; erst später (Bd. VII S. 174) habe ich diese Notiz nachgeholt, und zwar mit Beziehung auf einen älteren Aufsatz Hilgenfeld's in seiner Zeitschrift. Wenn dieser nun heute dasselbe nochmals wiederholt, so scheint ihm meine Abhandlung ganz unbekannt geblieben zu sein; sonst hätte er erkennen müssen, daß die Essäer gerade die demokratische Richtung des Pharisäismus zur äußersten Consequenz geführt haben, und das eine Beispiel mußte ihn zur richtigen Erfassung der andern von ihnen berichteten Lehren und Satzungen anleiten. Denn ist es etwa nun so auffallend, daß die ״Essener nur geweihte Ordensspeise essen durften?"' Die Pharisäer haben die Vorschriften über das Schlachten der Thiere, durch welches dieselben erst dem Genüsse gestattet werden, sowie über die Schäden, welche das Thier zum Essen untauglich, es zur ״Terefah", Zerrissenem, machen, den Anordnungen nachgebildet, welche die Priester für die Opfer festgestellt hatten, um so ihre profanen Mahlzeiten mit den priesterlichen Opfermahlen an Heiligkeit gleichzustellen 1). Die Essäer, als die äußerste Consequenz der pharisäischen religiösen Demokratie, haben diese Vorschriften auf's Strengste ausgebildet in ihrem Ansprüche auf priesterliche Geltung, ohne officielle Priester, Nachkommen des Zadokiten-Geschlechtes zu sein, eigneten sie sich aufs Gewissenhafteste deren Gebräuche an und schlossen sich darum von allen Andern ab. Wenn sich ein Theil von ihnen wirklich des Genusses von Fleisch und Wein gänzlich enthielt, so *) Vgl. diese Ztschr. Bd. VII S. 12U und unten Anhang II. B'lerteljahresjchrisr JX. 1. Ü

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