Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1871-01-01 · 1 (1871) · p. Seite 32

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
9 (1871)
Issue
1 (1871)
Date
1871-01-01
Page
Seite 32 (sequence 35)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2420973-2421017-2421018--2623-2423716
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

32 III. Die Essener. weit auseinander, und es ist Dies sehr natürlich. Schriftliche Denkmale von ihnen selbst haben wir nicht, und die Nachrichten über sie sind höchst spärlich. Wir verdanken die Bekanntschaft mit ihnen lediglich Philo und Josephus. Während der erstere nun die Palästinischen Essener fast gar nicht kennt oder sie nur aus dem Sehwinkel seines philosophischen Systems zu betrachten vermag, müssen wir bei Josephus' Schilderungen sehr auf unserer Hut sein, um uns nicht durch seine tendentiöse Färbung irreleiten zu lassen. Wenn wir über Sadducäer und Pharisäer weiter Nichts wüßten als was er in dem allgemeinen von ihnen entworfenen Bilde darbietet, würden wir über sie die dürftigsten nnd allerverkehrtesten Vorstellungen haben. Nun können wir aber diese Zeichnung controliren durch die geschichtlichen Thatsachen, welche Josephus selbst über sie sonst noch mittheilt, und besonders durch die reichen Nachrichten, welche die ganze jüdische und altchristliche Literatur uns darreicht. Trotzdem war bis in die neueste Zeit deren Bild verschoben, weil man an der allgemeinen Zeichnung des Josephus festhalten zu müssen glaubte, und gelingt es schwer, daß die richtigere Erkenntniß über sie durchdringe. Wie muß es nun mit den ״Essenern" stehen, für die uns alle andern Quellen verlassen und wir lediglich auf Josephus angewiesen sind. Es ist nun in hohem Grade seltsam, daß Hr. H., der, wie wir am Eingänge erfahren haben, von dem Christenthume die hellenische Weltbildung als innern Erzeugungstrieb fernhält und ihn nur in dem damaligen Judenthum aufsucht, gerade in den ״Essenern," die er als die Väter des Christenthums begrüßt, Träger und Verbreiter buddhistischer und parsischer Ideen findet. Daß der Buddhaismus und der Parsismus — außer einigen alten aus Babylon mitgebrachten und auch von den Pharisäern aufgenommenen Anschauungen — in Judäa eingedrungen sein und gerade dieses Häuflein überfluthet haben sollten, ist jedoch historisch durchaus nicht zu rechtfertigen. Allein, behauptet H., die essenischen Einrichtungen und Satzungen lassen sich nun einmal nicht aus dem Pharisäismus erklären, sie sind vielmehr ״ganz buddhistisch." ״Weshalb — ruft er aus — enthielten sich die Essener des Salböls wie einer Befleckung? ... Die Enthaltung von Salböl ist nun einmal nicht jüdisch, auch nicht neupythagoräisch, wohl aber buddhistisch." Nun aber habe ich in dieser Zeitschrift (Bd. VI S. 105 ff.) nachgewiesen, daß gerade die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.