Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 9 (1871)
- Issue
- 1 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 31 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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m. Die jüdischen Sibyllinen. 31 1. Indem Hr. H. die Untersuchung über das Buch Henoch, das vierte Buch Esra und die salomonischen Psalmen nicht neu aufnehmen will, geht er hier auf ״die jüdischen Sibyllinen-Weissagungen" ein. Es ist in der That mit diesen Dichtungen, welche uns den Kreis und die Ideenwelt offenbaren sollen, in denen das Christenthum hervorgetreten ist, arg bestellt. Während ein Theil der Erklärer dieselben geradezu der nachchristlichen Zeit zuschreibt und sie von Christen abgefaßt sein läßt, behauptet ein anderer Theil zwar, daß sie ihre Entstehung den Juden in der vorchristlichen Zeit verdanken, aber sie müssen spätere Interpolationen durch Christen zugestehen, sind über die Zeit der Abfassung, namentlich aber über die Ausdeutung der dunkeln historischen Anspielungen sehr uneinig. Schon aus dieser mannichfachen Abweichung in der Auffassung geht hervor, daß in diesen sich in phantastisches Gewand hüllenden Dichtungen scharfausgeprägte Ueberzeugungen und Erwartungen nicht ausgedrückt sind und daß aus solchen ganz verschwommenen Phatasiegebilden die Entstehung einer lebenskräftigen Agitation abzuleiten sehr mißlich ist. Nun aber zeigt Darstellung und Sprache, daß wir hier einen Kreis vor uns haben, der mit der vollen griechischen Bildung vertraut, in die griechische Dichtung und Ideenwelt eingeweiht ist, sich mit Vorliebe in ihr bewegt; welchen Zusammenhang nun diese mit jener Palästinischen Schichte haben sollte, die kaum des Griechischen kundig, nur höchstens den Dialekt des täglichen Verkehrs anzuwenden wußte, dem Inhalte griechischer Bildung aber ganz fern stand, mit jener palästinischen Schichte, in der die Geburtsstätte des Christenthums zu suchen ist, läßt sich kaum begreifen. In der That nun ist in den urchristlichen Schriften keine Spur von einer Bekanntschaft mit jenen Dichtungen, wie denn dieselben auch erst zu einer Zeit genannt werden, als eine Versöhnung der herrschend gewordenen christlichen Ideen mit den Ueberresten griechischer Cultur angestrebt wurde. Mögen daher auch überwiegende Gründe dafür sprechen, daß ein größerer Theil der Sibyllinen Juden aus der vorchristlichen Zeit zu Verfassern habe, so sind sie doch jedenfalls in einem Kreise entstanden, der für die Gestaltung des ltrchristenthums ohne Einfluß war, unte rAlexandrinern von durchgedrungener hellenischer Bildung, für welche die palästinischen Schöpfer des Christenthums durchaus kein Verständniß hatten. 2. Es bleiben jedoch ״die Essener und Therapeuten," auf welche Hr. H. dann übergeht. Auch über sie gehen die Ansichten