Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 9 (1871)
- Issue
- 1 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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II. Mechiltha und Sifre. 11 Ebenso wurde schon vielfach auf alte Halachah's hingewiesen, welche in diesen Sammlungen Vorkommen, die später ganz ignorirt wurden, indem oft eine ganz entgenstehende Entscheidung getroffen worden, und daß das jerusalemische Thargum in solchen Fällen nicht selten jenen Sammlungen und nicht der recipirten Halachah folgt. Auch Hr. Friedmann erkennt Dies an vielen Orten bald ausdrücklich, bald mit leiser Andeutung, an, und verweise ich nur auf Peßach e. 5 (6 a Anm. 23), c. 9 (10 a Anm. 22), Nesikin c. 4 (80 b Anm. 39), c. 20 (10 b Anm. 147) und sonst *). Bei dem unsichern Zustande, in dem sich der Text der Mechiltha und des Sifre befindet, ist es von großer Bedeutung, sich mit den Anführungen bekannt zu machen, welche die Alten diesen Sammlungen entlehnen. Eine höchst auffallende Erscheinung bleibt, daß die ganze thalmudische und midraschische Literatur, während sie Sifra und Sifre als Grundbücher der Halachah nicht selten hervorhebt, auch — obschon Dies nicht häufig — von einer und der andern Baraitha sagt, sie befinde sich in Sifra oder Sifre, während sie also das Vorhandensein und die Verbreitung dieser Sammlungen und zwar unter dem ihnen noch jetzt eignenden Namen bezeugt, gerade der Sammlung zum Exodus als solcher nicht gedenkt, für sie den Namen Mechiltha nicht kennt, und nur einzelne Baraitha's, die auch in Mechiltha sich finden, bald ohne weitere Bezeichnung bald als in der Schule Jsmaels (oder von Simon ben Jochai) vorgetragen anführt. Und dieses seltsame Schweigen von einem Werke, das doch sicher vorhanden war und auch benutzt wurde, ist noch nicht erklärt. Es ist wohl möglich, daß in jener alten Zeit unter Sifre außer den Zwei Büchern, welche es jetzt umfaßt, auch noch der Exodus eingeschlossen war; aber was führte dann dazu, diesen loszutrennen und ihm einen andern Namen beizulegen? Oder es konnte auch — und Dies ist mir nicht unwahrscheinlich — die Sammlung, wie sie von Jsmael und seiner Schule Vorgenom- *) Die Lesart כהפים in Nesikin c. 20 bestätigt auch Joseph Korkos bei Josef Karo in Kheßef Mischneh zu Maim' Mischneh Thorah Chagigah I, 1, wie denn auch כפסים bei Jalkut — wofür Weiß irrthümlich כהסים angiebt — blos Schreib- oder Druckfehler für כספים ist. Wie dem Sifre Deut. § 143 u. jeruf. Tharg. 5 Mos. 16, 16 entspricht, so auch j. Th. II zu 2 Mos. 34, 20. — Hierher gehört auch, wie schon diese Ztschr. Bd. IV S. 110 f. erörtert ist, die Stelle Nesikin 6. 16 (6ä. Fr. 18 b) ,־־Di את עגיעג לו באדם, die jedoch von Hrn. Friedmaun nicht beachtet wird.