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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1871-01-01 · 1 (1871) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
9 (1871)
Issue
1 (1871)
Date
1871-01-01
Page
Seite 4 (sequence 7)
Language
German
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IRI
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4 1. Humanismus im neueren Judenthume. eines Reuchlin, Erasmus, Mutian und ähnlicher Heroen des Humanismus, macht eden ihm noch schwierigeren Versuch. Er wollte dem freien Denken die Ueberzeugungen wahren, dem Judenthume wollte er die Handlungen zu eigen gegeben wissen, er legte ihm den Charakter einer ״geoffenbarten Gesetzgebung" bei, die ״für das Haus Jakob" so lange unverbrüchlich verbindlich bleibe, als sie nicht ״in gleich feierlicher Weise von dem göttlichen Gesetzgeber selbst" aufgehoben werde. Daß man mit dieser religiös und sittlich sehr zweideutigen Theorie nach keiner Seite hin zufrieden war, ist selbstverständlich, und schwerlich würde sich M. selbst, wenn ihm vergönnt gewesen wäre die weitere Entwickelung zu erleben, auf dieser schlüpferigen Grundlage haben erhalten können. Jedenfalls ging das jüngere Geschlecht weiter, es arbeitete auf die innere Gedankenentwickelung im Judenthume und auf dessen äußere Reform hin. Der dadurch bewirkte Kampf erzeugte allerdings nicht einen ostensibeln Bruch, hatte aber auch mittelbar keine besonders günstigen Folgen. Die Macht, gegen welche man ankämpfte, war keine äußerlich zwingende, man konnte unbekümmert um sie ganz nach seinem Gefallen leben, man war daher für sich selbst zu einem energischen Andrängen nicht genöthigt, und die Bequemeren ermat- Leten sehr bald im Kampfe. Andererseits war die Kluft zwischen den neuen Anforderungen und dem ererbten Herkommen so weit, daß sich die Masse in den mächtigen Umschwung nicht so leicht finden konnte, meist mit zäh^- Traghni Bei der alten Gewohnheit verblieb, die Führer demnach ohne ein Nachdruck gebendes Gefolge blieben. D^' kam, daß man in der neuen Entwickelung nicht immer x^en geistigen Vorgang erblickte, sondern ein Anschmiegen an. vte überwältigende Macht einer andern Religion, und da erschien ^,er Widerstand gegen jeden Fortschritt als treue Anhänglichkeit an dem ererbten Glauben, für den zu dulden edler sei als durch Eoncessionen bürgerliche Vortheile zu erringen. Freilich lockerte die politische Umgestaltung der Staaten und die von ihr bedingte Wegräumung der bürgerlichen Schranken für die Juden in dem einen, die Erschütterung derselben mindestens in dem andern Lande — diese engere Verbindung der Juden mit dem Staate lockerte freilich deren zähes Halten an den überkommenen Anschauungen, die mit den neuen Rechten und Pflichten, welche sie hier erhielten und übernahmen, dort anstrebten, durchaus unverträglich waren. Allein auch hier trat bald eine Hemmung ein. Die

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