Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 9 (1871)
- Issue
- 1 (1871)
- Date
- 1871-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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l. Humanismus ttn neueren Judenthurnö. 3 Zeit zu erheben. Die Dunkelmänner, weniger mit gewaffneter geistlicher Macht, aber umsomehr mit der moralischen Macht ausgerüstet, wie sie in der jahrhundertelangen Gewohnheit, in der Jsolirung wurzelte, hielten mit der tiefen Entrüstung über diese ״profanen" Beschäftigungen nicht zurück, und der Versuch, die neue wissenschaftliche Richtung auch dem Glauben, der jüdischen Lehre zu Gute kommen zu lassen, stachelte ihren Ingrimm und verlieh ihm den schärfsten Ausdruck. Die Männer der Wissenschaft unter den Juden weckten nämlich auch die Liebe zum hebräischen Alterthume, sie pflegten die hebräische Sprache, sie liebten die mittelalterlichen Dichter, Philosophen, nüchternen Exegeten, suchten sie, die alle sogut wie der Vergessenheit preisgegeben waren, wieder aus dem Schutte hervor. Es war jüdischer Humanismus, wenn man die hebräische Grammatik wieder in ihre Rechte einsetzte, den natürlichen Schriftsinn nach Anleitung eines Raschbam, Kimchi, Nachmanides u. A. wieder zur Geltung brachte, wenn man sich selbst eines reinen, ja eleganten hebräischen Ausdruckes befleißigte, wenn man endlich die biblischen Bücher in die Landessprache verstündlich und einfach, poetische Schriften mit dichterischer Empfünglichkeit übertrug. So entschieden die Männer, welche all Dieses unternahmen, ihre Absicht zur Hebung des Judenthums hervorhoben, so nachdrucksvoll sie es betonten, daß alles Herkömmliche dabei in seinen Rechten verbleiben müsse, ihre treue Anhänglichkeit daran betheuerten, so sehr sie auch ihre Hingabe an das Judenthum durch die Vertheidigung desselben gegen Angriffe von Außen bekundeten: so konnte Dies doch nicht den Aufschrei der Anhänger des Alten zurückhalten, und gerade diese veredelnden jüdischen Bestrebungen, Mendelssohns Pentateuch-Uebersetzung, die schöngeistigen hebräischen Versuche der ״Meassefim" waren ihnen ein schweres Aergerniß. Auch die weiteren Schritte konnten nicht ausbleiben. Das Judenthum war so von Unbildung, Vorurtheilen, Entfremdung von allgemeinem Menschenthum umkrustet, daß ein Ausgleich undenkbar war, der auf der einen Seite dem ernsten Bestreben, sich den ungeheuren Fortschritt wissenschaftlicher Bildung anzueignen, wie er sich außerhalb während der Jahrhunderte des Druckes gegen die Juden vollzogen hatte, kein Hinderniß in den Weg legte, und auf der andern Seite das bestehende Judenthum mit allen seinen Auswüchsen ganz unberührt ließe. Mendelssohn freilich, der ächte jüdische Nachfolger 1*