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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1871-01-01 · 1 (1871) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
9 (1871)
Issue
1 (1871)
Date
1871-01-01
Page
Seite 2 (sequence 5)
Language
German
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IRI
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2 I. Humanismus im neueren Judenthume. Verstimmung gegen die neuen, wissenschaftlichen Bestrebungen zu erkennen, wenn sie auch nicht recht sagen konnten, was ihre Ungunst rechtfertigte und sie die Rechtgläubigkeit der Männer, welche die verdächtigen Arbeiten verfolgten, nicht anzugreifen vermochten. Auf der andern Seite drängte der neue Geist zu seinen Consequenzen hin; die Kirche, der Glaube selbst mußte erneuert werden, die neue Erkenntniß auch läuternd in die religiösen Anschauungen eindringen, die geistliche Macht, welche sich diesem Unternehmen entgegenstellte, gebrochen werden. Ein heftiger Kampf brach aus, eine Trennung entstand zwischen denen, welche die Resultate der neuen Anschauungen auf Glauben und Leben übertrugen, und den Anhängern des Alten. Vor diesem gewaltigen Entscheidungskampfe traten manche der bedeutendsten Vertreter der Wissenschaft zurück, die Einen, weil es ihnen an der muthigen Consequenz fehlte, weil sie sich selbst innerlich doch noch nicht ganz von den alten Fesseln befreit hatten, die Andern, weil sie die Gefahren fürchteten, welche der ungestörten Pflege der Wissenschaft durch die derselben erweckten mächtigen Gegner drohten. Sie liebten die gelehrte Thätigkeit, die ihren friedlichen Zusammenhang mit den bisherigen Studien nicht aufgab, sich auch die Anerkennung der bestehenden geistlichen Ge- Walten und der Anhänger des Alten erringen konnte, und sie bebten vor einem völligen Bruche zurück. Der Kampf blieb nicht aus; die Geschichte hat entschieden und entscheidet Tag für Tag, daß nur mit dem muthigen Loslösen von dem Veralteten die Ent- Wickelung der Menschheit verträglich ist. Die Unversöhnlichst der veralteten kirchlichen Form mit der fortschreitenden Erkenntniß, ihre Unfähigkeit, sich in die geistige und bürgerliche Neugestaltung zu fügen, offenbart sich immer unzweideutiger. So in. der Kirche, ähnlich im Judenthume. Die Verhältnisse gestatteten diesem seine Neubelebung erst viel später, aber sie trat dennoch ein. Auch hier war es zuerst die wissenschaftliche Thätigkeit, die sich zur Geltung emporzuringen suchte. Die Bekenner des Judenthums brauchten nicht zum Alterthume hinaufzusteigen, um von dort die Wissenschaft herzuholen, sie lag ihnen in der Landessprache bei den Mitbewohnern andern Glaubens vor; allein Sprache und Mitbürger waren ihnen so fremd, daß die räumliche Nähe ihnen wenig nützte, sie lebten wie in einer andern Welt, wie in einer andern Zeit. Nur bevorzugten Geistern gelang es, diese Kluft zu überbrücken und sich aus den wissenschaftlichen Standpunkt der

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