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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1870-01-01 · 4 (1870) · p. Seite 319

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
8 (1870)
Issue
4 (1870)
Date
1870-01-01
Page
Seite 319 (sequence 79)
Language
German
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Aus Briefen. 319 1671, Welches wir in unsren ״Juden in der Leöpoldstadt." Beilage XU S. 106, mittheilten.) *) Dieses Moment allein war es jedoch nicht, welches die Auf- Hebung des Edictes erwirkte. Wie wir in unfern: ״Studien zur Jubelfeier der Wiener Universität" S. 33 und Beilage VI u. VII nachwiesen, hat sich der Sohn des Kaisers, Erzherzog Ferdinand, damals Statthalter in Böhmen, der Juden angenommen. Unter anderen führte er als Motiv an, daß die andern Brächte ein derartiges Vorgehn nicht Wohl auslegen würden. Außer dem Erz- Herzog Ferdinand nahm sich auch der damals schon zum König von Böhmen und als römischer König gekrönte Maxmilian, nachmals Kaiser Maxmilian 11. mit seiner Gemahlin Maria, Tochter Kaiser Carl's V., der Juden an. Am 29. März 1563 * 2) richteten sie an den Kaiser ein Schreiben, in welchem sie ihn baten die Juden in Böhmen zu belassen. Hierauf antwortete der Kaiser ״das liebe sunliche schreiben" und ״desselben geliebten Gemal unserer freundlich geliebten Tochter" (7. April 1563), daß er, da die Juden in Folge der ״eingefallenen Sterbeleuff" nicht in der Lage waren ihre Schulden einzukassiren, ״fürnenblich aber auf Euer lieb vnd derselben geliebten Gemal unserer freundlich geliebten Tochter gethanen Fürbitt den Ausweisungstermin von Georgi, bis auf Sonntag Trinitatis zu verlängern"; jedoch sei es sein ernstlicher Wille, daß die Juden an diesem Termine gewiß die ״Crone Böhmen" räumen v) Es liegt uns aus jener Zeit ein Gesuch von ״Menachi jüdischen Predicant zu Prag" präseurirt 5. Aug. 1561 vor. Er bat den Kaiser, es möge ihm mit seinem Weibe und seinen Kindern gestattet sein in der königlichen Familien-Herrschaft Pardubitz wohnen zu dürfen. Er begründete diese Bitte durch folgende Gründe, er sei ein alter, schwacher und fast blinder Mann, überdies fehle es ihm an Unterhaltnug zur Leibesnahrung ״sondern was meine Hausfrauen an kuniglichen und fürstlichen Höfen mit ihrer Handarbeit von Gold und andern schöner Arbeit, das den hohen Adel dienstbar» lich ist, gewinnt, damit ich meine kleinen unerzogenen Kindlein erhalten thue." Wer dieser Meuachem war, ist mir nicht bekannt. Vielleicht der in Gal Ed. S- 17, Nr. 41 angeführte, wenn dieser etwa gestorben wäre, bevor das Gesuch in die Hände des Kaisers gelangte. 2) Hock in Gal - Ed und nach ihm Grätz in seiner Geschichte IX geben an, daß das Damoklesschwert der Vertreibung schon im Jahre 1562 hinweggenommen worden. Aus obigem Datum geht jedoch hervor, daß dies nicht, in jenem Jahre der Fall war.

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