Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 4 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 320 (sequence 80)
- Language
- German
- Belongs to
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320 ÄusMiMk^ sollen. Am Schlüsse des Briefes spricht er es nochmals aus ״das doch einsmal unser gnedigster und entlicher Wille ins Werk gesetzt werde."— So weit wäre die Sache ganz in der Ordnung und' es braucht nicht hinzugefügt zu werden, daß nach dieser Erstreckung eine weitere erfolgte. Ein Jahr hernach starb überdies der Kaiser Ferdinand I. und wie bekannt war Maxmilian II. kein enragirter Katholik .und neigte sich vielmehr dem Protestantismus zu. Es waren aber noch andere Hände in dieser Angelegenheit thätig und zwar der Secretär des Kaisers Ferdinand, Nicolaus Walter oder Waltner, und der Secretär Maxmilians Caspar von Windegg zu Lussano. Sagen wir es offen, diese beiden Secretäre waren von den Juden bestochen, damit sie für ihre Sache, da wie. dort intervenirten 1). Am 8. April, einen Tag nach der Ausfertigung des Briefes Ferdinands an Maxmilian, schrieb der Secretär Walter an Windegg, daß der Kaiser durchaus ״die sach die Juden angehet, nit hören noch etwas bewilligen wollte"; aber er habe sie ihm plausibel gemacht, daß es sich nur um eine Fristerstreckung wegen Eincassirung der Schulden handle. ״Darauf hat sich Ihre Majestät etwas erweichen lassen." Zuerst habe der Kaiser den Termin nicht um eine Stunde verlängern wollen. — Zugleich ersucht er ihn, dieses den Juden mittheilen zu wollen. Nun handelte es sich darum, daß die Juden den Preis für diese Erstreckung der Frist bezahlen sollten. Die beiden Secretäre fürchteten aber gegenseitig vor Ueberlistung, daß die Juden den Preis und darüber bezahlen, der Empfänger jedoch den Löwenantheil für sich behalten würde. — Die beiden Herren Secretäre kamen daher überein, daß sie die Bevollmächtigten der böhmischen Juden zusammen in Wien, wohin sie zu bescheiden waren, empfangen und gemeinschaftlich das Geld übernehmen wollen, zu welchem Zwecke auch Windegg gebeten wird für Walter eine besondere Wohnung zu bestellen, |lba sie doch die Juden in der Hofburg nicht empfangen können. *) Bekanntlich wird in der Schrift so wie im Talmud Bestechung, und was mit derselben zusammenhängt, auf's Nachdrücklichste verboten. Die Verhältnisse haben jedoch die Juden dazu gedrängt Bestechung zu geben, da die Juden - Gesetze, wo sie zur Ausführung kamen, den Ruin und den Untergang der Juden herbeiführten. - Ein Beamter, der keine Bestechung annehmen wollte, wurde von ihnen als Judenfeind betrachtet. So wurden die Juden systematisch demoralisirt.