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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1870-01-01 · 4 (1870) · p. Seite 317

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
8 (1870)
Issue
4 (1870)
Date
1870-01-01
Page
Seite 317 (sequence 77)
Language
German
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IRI
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Aus Briefen. 317 gegeben, und finde ich darin erwünschte Gelegenheit,! die .Auffassung in's Klare zu bringen. Es ist ganz selbstverständlich, daß צדיק seine ursprüngliche und allgemeine Bedeutung des ״Gerechten" niemals eingebüßt, von Gott und allen besonders verdienstlichen Männern fort dauern d gebraucht worden, dennoch aber eine Zeit lang von den herrschenden Priestern als exitketon ornans besonders ambitionirt, ihnen von ihren Parteigängern gern beigelegt wurde, daher auch manchmal von den Gegnern mit schlechter Nebenbedeutung gebraucht werden konnte. Es ist gerade wie mit heilig, Heiligkeit, das gewiß den höchsten Grad sittlicher Reinheit ausdrückt, zunächst von Gott, dann den Engeln, endlich auch von über das Irdische sich erhebenden Menschen gebraucht wird, dann aber doch nebenbei in der katholischen Kirche zum besonderen Charakteristikum des Oberbischofs, des ״heiligen Vaters", ״Seiner Heiligkeit" verengt wird, wie auch die von der Kirche Seliggesprochenen schlechtweg die ״Heiligen" heißen, während umgekehrt dann gerade die ״Hierarchie" einen Tadel ausdrückt. So ist גאון, Hoheit, allgemeiner erhebender Ausdruck, dabei auch Titel der Geonim, der Vorsteher der babylonischen Akademien, und ist umgekehrt im Munde der Karäer ein Schimpf als Hochmuth. Geht es nicht in unfern Tagen so mit dem Ausdrucke: fromm, der, ohne seinen allgemeinen ehrenden Sinn einzubüßen von einer Partei als ausschließlich ihr angehörig in Anspruch genommen, von den Andern daher auch nicht selten im tadelnden Sinn gebraucht wird? So prägen die Verhältnisse den Begriffen und ihrem Ausdrucke, den Worten, manche eigentümliche Nüancirungen auf, und beide, der allgemeine ursprüngliche Sinn und die aus den Zuständen damit vorgenommene Umwandlung, gehn neben einander, ohne sich auszuschließen; es knüpft sich Lob und Tadel daran je nach dem Standpunkte dessen der das Wort gebraucht, und nach dem Zusammenhange der Rede. So verhält es sich nun mit Zaddik, Dikaios; es ist ein allgemeiner Ehrenname, den aber besonders die herrschenden Priester sich gerne beilegen mochten, den ihnen ihre Anhänger gern bewilligten, den ihnen die von vorn herein ihnen Widerstrebenden nur dann zuerkannten, wenn sie sie dessen auch in der That für würdig erachteten. Also Zaddik ist nicht g l e i ch Zadokite oder gar Sadducäer, allein die herrschenden Priester, — und dazu trug der Anklang von Zadokite und Zaddik Manches bei — galten gern als

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