Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 4 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 316 (sequence 76)
- Language
- German
- Belongs to
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316 Aus Briefen. Von Hrn. Rabb. Dr. Grünebaum, Landau 4. Jan. 1869. In Bd. V der Zeitschrift S. 263 heißt es: ״Die herrschen-- den Priester sowohl aus dem alten zadokitischen Geschlechte als aus der hasmonäischen Familie scheinen allerdings den an ״Zeduki^ anklingenden Namen ״Zaddik" gern auf sich angewandt zu haben, was aus Reden in deren Munde und in Urtheilen über sie bei Josephus und aus manchen übersehenen Stellen in den Baraitha's erschlossen werden kann". Als Beleg wird herangebracht das Sixacog bei Jos. Alterth. XIII., 10~, 5 und 16, 1. Dies scheint mir jedoch dem Zusammenhänge der Stellen und der Geschichte zu widersprechen. Am ersteren Orte will sich Hhrkan doch den Pharisäern gewiß nicht damit empfehlen, daß er ein Zaddik-Saddukäer gewesen. In der That gehörte er auch nach Josephus und dem Thalmud bis dahin zu den Pharisäern, trat erst später zu den Saddukäern über, so daß seine Selbstbezeichnung als SLxaiog, Zaddik, ihn gerade als Pharisäer legitimiren sollte. — Auch in Betreff Alexander Jannai's will die Angabe des Jos. 1. 1. 16, 1 äugenscheinlich aussagen, er sei als Zaddik, d. h. als Bekehrter, zum Pharisäismus Zurückgekehrter gestorben; es war Dies ein Urtheil der Pharisäer, welches sie nach seiner Handlungsweise, wie sie gerade vor seinem Tode gewesen, fällten. Dasselbe geht aus Sotah 22 hervor. Das nach seinem Tode hervortretende entschiedene Auftreten seiner Wittwe zu Gunsten des Pharisäismus soll dort hauptsächlich auf sein letztwilliges Mahnwort begründet werden. In diesem tritt er zwar nicht selbst für den Pharisäismus aus, aber ebensowenig für den Zaddukäismus, sondern als ein gerader rechtlich denkender Mann, der die Ehrlichkeit auf beiden Seiten achtet, als Zaddik im wahren Sinne. — Wie man dieses Wort als ein besonderes Epitheton für den Priester urgiren will, ist mir unbegreiflich, da es doch offenbar überall nur in dem ganz allgemeinen Sinne des Gerechten genommen werden zu dürfen scheint. Wie die Bibel selbst es so oft von Gott gebraucht, ebenso nennen Ihn die Midraschim צדיקו עגל עולם, den Gerechten der Welt, deßgleichen gilt es als Bezeichnung für alle hervorragenden Männer: für Moses u. A., vgl. z. B. zu Prov. 11, 31. Mit Vergnügen habe ich ein so wohlmotivirtes Bedenken über einen Gegenstand ausgenommen, welcher schon so vielfach zu Miß- Verständnissen wie auch dem gedankenlosesten Reden Veranlassung