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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1870-01-01 · 4 (1870) · p. Seite 305

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
8 (1870)
Issue
4 (1870)
Date
1870-01-01
Page
Seite 305 (sequence 65)
Language
German
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III. Die jerusalemrsche Gemara. Z05 Levi b. Abraham, Lehrer des berühmten Manachem b. Salomo Mein, hat nach dem Zeugnisse dieses seines Schülers (Vorr. zu Aboth) einen Commentar zum größten Theile der drei (!) Ordnungen des Jeruschalmi angefertigt, den Mein theilweise besaß (vgl. he-Chaluz II S. 13). Von diesen Werken wie von den Handschriften des Jeruschalmi selbst ist fast Nichts auf unsere Zeit gekommen. Dem ersten Bomberg'schen Drucke lagen noch drei Handschriften vor, den Krakauer Herausgebern Erklärungen des Elieser b. Joel ha- Levi; von den Handschriften ist die einzige Leydener geblieben, alles Andere ist verschwunden. Ist es ja fast allen alten Denkmalen der Halachah so gegangen, die im Mittelalter den Lehrern in zahlreichen Handschriften zugänglich waren, während sich jetzt kaum eine auffinden läßt. Die Vernachlässigung des Jeruschalmi nahm immer mehr zu, so daß allmählich alle Bekanntschaft mit ihm dahinschwand; die Wenigen, die ihm ihre Kraft widmeten und einzelne Theile commentirten, wurden von dem Streben einer falschen Harmonistik mit dem Babli geleitet und verwirrten ihn nur noch mehr. Solange das Thalmudstudium lediglich in dem Sinne betrieben wurde, daß es seinen fast ausschließlichen Werth darin hatte, ihm die Entscheidung für die gesetzlich-religiösen Satzungen zu entnehmen, solange man in der babylonischen Gemara dafür die einzig und unumstößlich berechtigte Quelle sah: solange blieb auch die völlige Unbekanntschaft mit dem Jeruschalmi stehend, so daß selbst die gefeiertsten und gerade wegen ihrer umfassenden Gelehrsamkeit bewunderten Lehrer des vorigen Jahrhunderts, wie etwa ein Jesaias Berliner, seiner Aussprüche völlig unkundig waren. Erst in neuerer Zeit hat man begonnen, die alt-jüdischen Literaturdenkmale, und zwar nicht blos wie Anfangs die leichteren, aber auch weniger ergiebigen, haggadischen, sondern auch die halachischen zu wissenschaftlich-kritischen Zwecken zu durchforschen, und gelangen auch die bisher zurückgedrängten Werke, die Baraitha-Sammlungen und die jerusalemrsche Gemara, zu ihrer, vollen Berechtigung, die gerade sie in erhöhtem Maße haben. Zu der richtigen Schätzung nun auch des Jeruschalmi gehört aber die volle Unbefangenheit, welche sich durch keinerlei apologetische Rücksicht, sei es auf die thalmudischen Autoritäten selbst, sei es vorzugsweise auf den Babli, beengen läßt, und der eindringende historische Sinn, welcher den Wandelungen in der geschichtlich fließenden Anschauung nachzugehn und in den Sammelwerken auch die sich zusammenschiebenden Bierteljahresschrift VIU. 4. 20

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