Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 4 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 304 (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
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304 III. Die jerusalemische Gemara. Exeellenzen, als die entscheidenden religiösen Autoritäten für die ganze Diaspora galten, dieselben nun aber auch umsomehr die ihrem Lande entwachsene Literatur zur einzig gültigen erhoben, Babylon gern als die von allen Zeiten her Palästina ebenbürtige Stätte darstellten. Das ist längst nachgewiesen, und es brauchte Hrn. Fr. nicht aufzufallen (144 b), daß die Geonim Scherira und Hai in unhistorischer Weise Von Lehrern sprechen, die vor Alters in den babylonischen Schulen die Ordination empfangen haben. So trat dann die jerusalemische Gemara immer mehr in den Hintergrund, und wenn sie auch der alten Zeit nicht ganz unbekannt war, so wurde sie doch ziemlich vernachlässigt, ihr Text ward theilweise unverständlich, auch verwahrlost. Ob sie ehedem einen weiteren Umfang gehabt, sich etwa auch über die zwei Ordnungen Kodoschim und Tohoroth erstreckt habe, läßt sich schwer entscheiden; die Spuren, . welche Einige dafür bei den Lehrern des Mittelalters zu finden glaubten, find sehr zweifelhaft *), obgleich andrerseits nicht gut denkbar ist, daß zumal die Ordnung Kodoschim, welche selbst in den babylonischen Schulen mit ausführlicher Gemara versehen ist, in den palästinischen leer ausgegangen sein sollte. Von Wichtigkeit ist jedenfalls, daß wir die ersten Ordnungen vollständig haben, also auch Sera'im, für die kein Babli vorhanden ist, nur ist unser Text verwildert, hie und da in ihm auch Lücken, wie z. B. das Mrde von Schabbath fehlt. Es fehlte ihm eben die hingebende Sorgfalt, wie sie dem Babli zugewendet worden. Zwar haben die mittelalterlichen Lehrer denselben keineswegs ignorirt, sie verfehlen nicht ihn vielfach anzuführen und zu benützen; es lagen ihnen Allen Exemplare vor, die nicht an den Corruptelen unseres Textes leiden, fehlte es doch sogar nicht an punctirten Exemplaren, wie uns Jose^Kimchi (zweite Hälfte des 12. Jahrh.) berichtet (vgl. Ozar nechmah I S. 99). Auch an Commentatoren scheint es nicht ganz gefehlt zu haben, und weist Fr. 134 b f. die Spuren davon nach, wobei ihm jedoch gerade׳ der Mann, von dem es ausdrücklich bezeugt ist, entgangen ist. Riehen nämlich ben Chajim, der Vaterbruder des bekannten 0 DqßHraschi oder der, dessen Comm. zu Themurah unter R.'s Namen curstrt, den Jeruschalmi zu diesem Tractate nicht anführt, ist bereits diese Zeitschr. V S. -152 s. genügend besprochen, auch Hr. Fr. kommt 45 b darauf zurück. ,