Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 4 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 303 (sequence 63)
- Language
- German
- Belongs to
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III. Die jerusalemische Gemara. 303 Schiffe befunden, muß auf die einfache richtige Erklärung hinleiten. פתען heißt unter Anderm auch in der Mischnah: eine Seereise machen, Nedarim 3, 6. Gittin 6, 5 (Tebul jom 4, 5), es heißt wohl eigentlich nichts Anderes als: sich trennen, entfernen, wie noch Bereschith rabba c. 13 Hifilform: היו נלפריעגין לים הגדול, gerade wie הפליג, das zunächst bedeutet: sich weit entfernen (Mischnah Erubin 8, 3. Abodah sarah 5, 3. 4. Thoßeftha Thoroth. c. 6. Machschirin c. 2 und sonst), davon dann הפליגה ספינתם בנים, ihr Schiff hat sich weit ins Meer hinein entfernt, Erubin 4, 1. Demnach heißt auch unser פלוש nichts anderes als ein zu Schiff Befindlicher, und es ist hier durchaus keine Rede von der besonderen Frömmigkeit des Mannes. — Man ersieht schon aus diesen Beispielen, welch eine große Unsicherheit selbst in solch einfachen Dingen herrscht, und es kommt Dies daher, weil die jerusalemische Gemara immer mehr dem Studienkreise entrückt wurde. Die palästinischen Schulen verfielen mehr und mehr, allmählich wurde dort weit mehr die Haggadah gepflegt und die strenge Huth des Bibeltextes angestrebt, so daß wir den dortigen Studien die reiche Anzahl der Midraschim, die ersten Arbeiten der Punctatoren, Accentuatoren und Maßorethen verdanken, während die Halachah, die ebenso dialektisch den Geist schärfte, wie sie das Leben bestimmte, dort erlahmte und immer mehr ihre Pflegestätte in den babylonischen Schulen fand. Diese erhoben sich siegreich, nachdem sie früher dem Spotte und der Geringschätzung der Palästiner unterlegen hatten, und zwar umsomehr als die Juden an Zahl und geistiger Bedeutung in Persien ihren Schwerpunkt gewannen. Die babylonische Gemara ward mit rüstiger Geistesschärfe immer erweitert, und als sie im sechsten Jahrhundert auch mehr durch den Stillstand, welchen harte Verfolgungen bewirkten, als durch innere Vollendung ihren Abschluß fand, war sie ebenso durch Umfang und Vertiefung wie durch die hervortretende Bedeutung der dortigen Bevölkerung zu maßgebender Geltung gelangt. War Dies schon unter den Persern der Fall, wo neben dem politischen Exilhaupte die geistlichen Lehrer, die Saburäer, wie sie nach dem Abschlüsse des Thalmud genannt wurden, als Vertreter der Gesammtheit galten: so steigerte sich dieses Ansehen noch unter den Arabern , die gerade im alten Babel den Mittel- Punkt ihrer Macht hatten, dort auch die Vertretung der Juden mit weithinragender Gewalt bekleideten, so daß die Geonim, die