Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 4 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 300 (sequence 60)
- Language
- German
- Belongs to
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300 III. Die jerusalemische Gemara. dürftig und nicht frei von kindischem Aberglauben; es liegt etwas Greisenhaftes darin. Auch die Darstellung ist nicht von jener sprudelnden Lebendigkeit, der raschen Schärfe, welche in der babykonischen Gemara anregt und zum Verständnisse eine volle Versenkung erfordert; sie ist ruhiger, aber darum nicht minder kurz und von ganz eigentümlicher dialektischer Färbung. Bei der geringen Sorgfalt, welche bisher der jerusalemischen Gemara zugewendet worden, hat auch ihr eigenartiger Dialekt, der nur in andern gleichfalls wenig gekannten jerusalemischen Schriftdenkmalen, nämlich in den jerusalemischen Thargumen und dem erst neuerdings bekannt gewordenen jerus.-syrischen Evangeliarium seine Analogien findet, sowie die nicht minder eigentümlichen Schulausdrücke in der Discussion sich sehr geringer Beachtung erfreut, und bei dem noch dazu verdorbenen Zustande des Textes und dem gleichfalls verwilderten Aussehen der zu Gebote stehenden parallelen Hülfsmittel wird das Verständniß nicht wenig erschwert. Es ist daher verdienstlich, daß Frankel, nach einem kürzen Ueberblicke über die örtliche Lage der Schulen und die politischen Verhältnisse der Zeit, alsbald den Eingang seiner Einleitung, den zweiten Abschnitt (S. 7—18), sprachlichen Erörterungen widmet. Wir sind dankbar für das Gegebene, wenn wir es auch nur als höchst ungenügend und dürftig bezeichnen müssen. Hier ist noch ein weites Feld, das des fleißigen Anbaus bedarf, wodurch ebenso das Linguistische der jerusalemischen Gemara selbst ins Klare gesetzt wird, wie ein erhellendes Licht auf das ganze aramäische, namentlich das palästinisch-aramäische Gebiet verbreitet wird. Diese Aufgabe kann sich unser kurzer Ueberblick nicht stellen, er kann blos, sich anlehnend an das von Frankel Dargebotene, bei den in's Auge gefaßten Ausdrücken auf Wichtiges, das übergangen worden, hinweisen, den Erklärungen die correctere sprachliche Erfassung verschaffen, und nur gelegentlich ganz außer Augen (belassenes be- Dort sagt Rab, er würde Jeden, der ihn als Einbrecher überfällt, tödten, nur nicht Chananiah b. Schela, und Ier. erklärt Dies dahin, weil er wisse, CH. könne es blos aus Armuth thun, um sich ein Stück Brod zu verschaffen, er sei aber von ihm überzeugt, daß er sich an Menschen nicht vergreife. Das ist höchst verständig. Babli aber sagt, weil CH. ihn väterlich liebe; und dennoch begeht er einen Einbruch bei ihm? Dies vorzüglich zu finden, ist seltsam.