Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 4 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 293 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
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HI. Die jerusalemische Gemara. 293 jerusalemischen Werken viel ursprünglicher und treuer als in den babylonischen 1). Ueberhaupt war die Methode in den jerusalemischen Schulen nüchterner, einfacher, sie gingen mehr darauf aus das altererbte Gut zu conserviren; in den babylonischen warf man sich mit jugendlicher Gluth, mit aller Frische über den neuerworbenen Schatz her und suchte ihn mit allem Scharfsinne zu verwerthen und auszunützen, und bei dem dortigen Mangel an geistiger Zucht konnte es an Trugschlüssen und Spitzfindigkeiten nicht fehlen. Die Jerusalemiten erkannten die überkommenen Lehren, wenn sie sie auch als aus alter Zeit sich herschreibend betrachteten, doch als allmählich geworden, nur in dauerndem Gebrauche stehend an, für die Babylonier war Alles uralt, entweder mosaische Tradition von Sinai oder doch Einrichtungen der ersten Glieder in der Traditionskette. Einen höchst belehrenden Vergleich bietet eine Verschiedenheit in der Aeußerung beider Schulen oder vielmehr in dem Ausdrucke, welchen beide einem und demselben Lehrer beilegten, über eine Gebetsanordnung. Am Sabbath-Ausgange wird nämlich im Achtzehngebete ein besonderes Scheidegebet eingeschaltet, aber über die Stelle und die Art der Einschaltung sind die Lehrer der Mischnah (Berachoth 5, 2) verschiedener Ansicht; der eine will es in die Mitte des vierten Spruches eingeschoben wissen, der andere räumt ihm einen besondern Platz als vierten Spruch ein, der dritte will es dem siebzehnten Spruche einschalten. Diese Differenz ist einem Lehrer, Simon bar Abba, in dem auf Rabbi folgenden Geschlechte, auffallend. Wie ist es möglich — fragt er, nach der Relation des Jeruschalmi —, daß die Gelehrten über einen Gegenstand streitig sein sollen, der doch in beständigem Gebrauche ist (allwöchentlich ב) Eine große Anzahl von Belegen zu dem über die Mischnah und die Baraitha's im Texte Ausgesprochenen liefert Schorr in mehreren Ab- Handlungen des Chaluz, sowie auch meine Lesestücke aus der Mischnah, meine Urschrift, diese Zeitschrift, meine Abhandlungen im Chaluz und Ozar nechmad (I 54. II 99. III 8 ff. 15. 120. IV, 103) Hr. Fr. nimmt von allen diesen Arbeiten keine Notiz. Bei den einfachsten Dingen zeigt sich diese Verschiedenheit. Man vergleiche etwa nur die Ausführung, welche die Baraitha dem Gebete Nechunja's bei seinem Eintritte in das Lehrhaus (M. Berachoth 4, 2) giebt, welche in Jer. lautet: מולא אקפיד כנגד חבירי ולא חבירי יקפידו־ לבגדי während Babli (28 b) mit der häßlichen Einmischung eines schadenfrohen Zuges: ולא אכטול בדבר הלכה! ויפובלדזר בי הבירי. . . ולא יכעולו חבירי בדבר הלכה ואעגנלח בהם.