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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1870-01-01 · 4 (1870) · p. Seite 292

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
8 (1870)
Issue
4 (1870)
Date
1870-01-01
Page
Seite 292 (sequence 52)
Language
German
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292 in. Die jerusalemische Gemara. War es in Babylonien. Dorthin war die Mischnah in ausgeprägter Gestalt als ein abgeschlossenes Buch gekommen, und so behandelte man sie nun. Man entschloß sich sehr schwer dazu, eine Aenderung in der Mischnah vorzunehmen und ließ sich meistens nur von jerusalemischen Autoritäten dazu veranlassen, vielmehr deutete man lieber an ihr herum, suchte auf diese Weise die hervortretenden Schwierigkeiten künstlich zu beseitigen, sie mit neueren zur Geltung gelangten Ansichten in Einklang zu bringen. Daher sind die Erklärungen der Jerkksalemiten zum Mischnahtexte weit einfacher und natürlicher als die der Babylonier, obgleich diese, wie wir sehen werden, später die recipirten wurden. Fast umgekehrt erging es den Baraitha's an diesen beiden Lehrstätten. Dieselben waren, wenn auch in Sammlungen vereinigt, wie schon früher bemerkt, doch vielfach Ergänzungen und Umgestaltungen unterworfen, sie waren in schriftlichen Exemplaren wenig verbreitet, blieben mündlicher Mittheilung Vorbehalten und erfuhren daher mannichfache Modisicationen in Inhalt und Ausdruck. In Palästina jedoch war ihre alte Heimathstätte, sie waren im Munde aller und erhielten sich daher auch treuer, umsomehr als man dort keinen Anstoß nahm an ihrem obsolet gewordenen Inhalte, da man solcher Abweichungen in alten Produkten sich Wohl bewußt war. In Babylonien hingegen war alles dort Hingebrachte neu, man konnte sich nicht denken, daß solche Baraitha's ganz abweichenden Inhalts existirten, und wenn man sie nicht ganz ignorirte, wie es mit einigen ganz fremdartig klingenden geschah, so mußten sie sich bald im Munde der Ueberlieferer einer Darstellung anbequemen, die mit den gegenwärtigen Ansichten mehr harmonirte. Der Ausdruck aber modificirte sich in dieser mündlichen Tradirung gar sehr, und es fehlte auch nicht an Mißverständnissen, die sich festsetzten. Daher lauten die Baraitha's in den der sich wohl mit der Leiche eines andern großen Lehrers, Abun, befaßte, (j. Moed katon e. 4), Dies einer Schwester Juda's gegenüber verwergerte, indem er sagte: Wegen dieser Patriarcheusamilie verunreinigt man sich nicht wenn sie noch am Leben sind, wie viel weniger wenn sie gestorben (j. Berachoth 6. 3. Nasir 6. 6), und ein anderer Lehrer, Nissa, replicirt dagegen beißend: nun, nach dem Tode mögen sie als eine Leiche, der Angehörige und Annehmer fehlen, betrachtet werden, mit der sich zu beschäftigen selbst für einen Khohen nicht blos gestattet, sondern verdienstlich ist!

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