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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1870-01-01 · 4 (1870) · p. Seite 291

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
8 (1870)
Issue
4 (1870)
Date
1870-01-01
Page
Seite 291 (sequence 51)
Language
German
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Hl. Die jerusalernische Gemara. 291 immer mächtiger erhob; von beiden sind ihre Productionen überliefert worden und haben sich erhalten, aber ein normatives Ansehn haben naturgemäß nur die letztern erlangt. 2. Der Lehrgang an diesen beiden Stätten halachischer Wissenschast war, je nach ihren abweichenden geschichtlichen Grundlagen, ein verschiedener. In Palästina war die Mischnah aus dem geschichtlichen Leben hervorgewachsen, nun stand sie Jf>ei aller Autorität, die sie genoß, noch mitten inne im Leben, sie war in ihrer Ausdrucksform flüssig, Berichtigungen und Aenderungen unterworfen, wie sie in den unmittelbar folgenden Schulen, auch von späteren 'großen Lehrern vorgenommen wurden. Man preßte ihren Ausdruck nicht, man suchte nicht künstliche Deutungen auffallender Schwierigkeiten, man modifieirte sie einfach nach gewonnener besserer Einsicht und sagte kurz: so ist die Mischnah (כיני נלתניתא), so ist zu lesen. Man verstand sich dazu um so leichter, als die Epigonen aus der Hillel'schen Patriarchen - Familie, die Nachkommen Rabbi's, wenn sie auch mit einer gewissen geistlichen Würde bekleidet blieben, doch in der allgemeinen Anerkennung sehr sanken und manche hervorragende Lehrer eine jede Berührung mit diesen späten Patriarchen und ihrem Hofe vermieden, weil sie den Schein der damit verbundenen Unterordnung scheuten und sich nicht zur Sitte verlangter höfischer Huldigung bequemen wollten 1). Anders 1j Dies gilt namentlich von Se'ira (Sera), der den Umgang mit dem gleichnamigen Enkel Rabbi's, dem Patriarchen Juda mied, nicht etwa aus Bescheidenheit, wie Fr. S. 78 a angiebt, sondern ans Mangel an Achtung für ihn; deßhalb wollte er, einKhohen, sich auch nicht bei dessen Tode durch Beschäftigung mit der Leiche — was bei einem hochstehenden Gelehrten als verdienstlich gilt — verunreinigen und er mußte wider seinen Willen dazu gezwungen werden, j. Berachoth 6. 3. Jnda's Entscheidung in einer Streitfrage galt dem Se'ira gar Nichts; als eine Differenz unter den Schülern Chija's und zugleich der Ausspruch Jnda's für die eine Gruppe berichtet wurde, da sagte Se'ira wegwerfend: nun, da ist noch ein Ausspruch von einem der Schüler Chija's ergangen (j. Schabbath e. 6. Sanhedr. c. 10), Jannai und Jochanan sagten gar von Juda aus, er wolle nicht hören und nicht lernen (jer. Baba bathra c. 8, babli das. 111), geradezu schmähend predigte wider ihn Joße aus Ma'on (j. Sanh. 6. 2 Ende). Noch geringschätziger wurden die späteren Glieder der Familie behandelt, Juda 11, Enkel des besprochenen Juda I, wird von Iirmija geradezu bei Seite geschoben (j. Megillah e. 3), und es ist natürlich, daß der Lehrer Mana, ein Khohen, 19*

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