Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 4 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 290 (sequence 50)
- Language
- German
- Belongs to
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290 III. Die jerusalernische Gemaralang ihnen das alte Ansehn des heiligen Mutterbodens der dortigen Lehrhäuser gegen die neu sich hervordrängende Lehrstätte noch eine Zeit zu wahren. Bei allen heftigen Anfeindungen jedoch, die Chananiah erfuhr, blieb sein Name hochgeachtet, und ihm und seinem Anhänge verblieb die Ehrenbezeichnung: ״unsere Lehrer in der Golah" ^). Immer mehr aber nahm der Druck und der geistige Verfall in Palästina zu und mit ihm die Auswanderung nach Babylonien. Dort hatten sie unter den Parthern und Neupersern eine freiere Stellung, wenn es auch nicht an vereinzelten Verfolgungen fehlte, und bald erhoben sich in der Golah — oder Galutha nach aramäischem Ausdrucke — von der Regierung eingesetzte und anerkannte Häupter, neben denen die Lehrer der sich vermehrenden Akademien zu selbstständigem Ansehn gelangten. Die Grundlage war von Palästina in der durch Rabbi veranstalteten Mischnah gegeben, diese wurde, zum Theile durch hingewanderte und dann zurückkehrende Schüler, von dort übertragen, zugleich mit Deutungen und Discussionen, die sich dort daran geknüpft, die nun aber hier in freier, selbstständiger Weise fortgeführt wurden. Von nun an bildeten sich zwei neben einander laufende. Lehrgänge, die bald mit einander rivalisirten, bald von einander entlehnten. Der eine erhielt sich in den palästinischen Schulen, die von altem Ansehn zehrten, aber alternd immer mehr hinsiechten, der andere griff energisch ein in den neuen babylonischen Hochschulen, die mit Iugendfrische und einem gesunden Natursinn vorgingen, aber noch der Weihe alter Autorität ermangelten. Natürlich sank die Bedeutung schaffender Lehrthätigkeit in den jerusalemischen Schulen im .Laufe der Zeiten immer mehr, während sich die der babylonischen ג) lieber Chananiah und sein Unternehmen vgl. Urschrift S. 153 f. u. diese Zrschr. Bd. VII S. 265 f. Auf ihn bezieht sich demnach die Be- Zeichnung: unsere Lehrer in der Golah in Jeruschalmi Schabbath 6. 5 Ende. Bezah 2, 8, nicht auf die spätern Rab und Samuel, wie Fr. irrthümlich annimmt S. 40 b. 123 a und 156 b; diese letzteren heißen imBabli Sanhedrin 17 b : unsere Lehrer in Babylonien (nicht: in der Golah, wie Frfalsch anführt). — Chananiah, von dem übrigens noch eine sehr verständige Deutung in Sifre zu Numeri 7, 13 ff. (§ 49, 14 b ed Fr.) vorkommt, müßte nach j. Sotah 7, 3 als Lehrer in Verbindung mit Simon ben Lakisch gestanden haben, wenn wir dessen Worte: יפח לנלדני ח22י!ח בן אחי ר' ידושע streng zu nehmen berechtigt sind. Allein dieser Annähme widerstreiten Ort und Zeit.