Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1870-01-01 · 4 (1870) · p. Seite 289

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
8 (1870)
Issue
4 (1870)
Date
1870-01-01
Page
Seite 289 (sequence 49)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2420973-2421001-2421004--2555-2423648
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

III. Die jerusalemische Gemara. 289 bestanden, keine Spur von babylonischen Lehrhäusern vorhanden. Einzelne Jünglinge, von lebendigem Wissensdrange getrieben, ziehen von dort nach Palästina, um aus den dasigen Quellen geistige Nahrung zu schöpfen; sie erlangen da die Krone der Gelehrsamkeit, aber sie hatten sie nicht mit hingebracht. Unter ihnen zeichnet sich sogar Hille l ganz besonders aus und gelangt zu einem die Einheimischen verdrängenden Ansehn, er ist eine freie, kräftige, reformatorische Natur; diese frische Ursprünglichkeit, welche sich bei hervorragenden Menschen als schöpferisch anregende Kraft beweist, tritt aber bei dem ungebildeten Haufen als naturwüchsige Rohheit auf. So schildert die Babylonier auch die Mischnah, wenn sie sie mit Erinnerungen aus der Tempelzeit zusammenbringt: sie reißen den Sündenbock an seinem Haare, um seinen Gang nach dem Wüstenziele hin zu beschleunigen, Joma 6, 4, sie genießen rohes Opferfleisch, das nicht gekocht werden durfte und untauglich würde, wenn es über Nacht liegen bliebe, Menachoth 11, 7 1). Mit der Zerstörung des Tempels jedoch gestalteten sich die Verhältnisse um. Nicht blos die bürgerlichen Leiden, welche die Juden nunmehr in Palästina erfuhren, sondern auch die Hindernisse, welche sie in der freien Ausübung der Religionspflichten, welche namentlich die Lehrer in ihrer Lehrthätigkeit, in der Erhaltung der Schulen fanden, veranlaßten Einzelne, wenn auch mit schwerem Herzen, den geheiligten Boden zu verlassen und den Versuch zu machen die Schulen namentlich nach Babylonien zu übertragen und die Leitung der religiösen Angelegenheiten von dort aus zu unternehmen. In diesem Versuche that sich mit besonderer Energie hervor CH an an iah, der Neffe Josua's im Zeitalter vor Rabbi, der in der Golah, der Diaspora — worunter sein Lehrhaus zu Pumbeditha zu verstehen ist — eine solche tonangebende Akademie zu gründen unternahm. Sein Beginnen fand entschiedenen Widerstand an den in Palästina zurückgebliebenen Schulhäuptern, und es ge- ף Vgl. diese Ztschr. Bd. IV S. 153 f. Der Ausdruck דעתן יפדז in letzterer Mischnahstelle ist nicht etwa ein mildernder Euphemismus, den Jeruschalmi an einem Orte Peah 8, 4 mit dem ungeschminkten דעתן נלקולקלת wiedergiebt, wie Frankel S. 37 b glaubt, vielmehr hat jener Ausdruck selbst keine andere Bedeutung als: sie haben eine robuste Natur, sind unverzärtelter Art, was Ierusch. freilich von seiner Sitte aus mehr als roh betrachtet, wie diese Ztschr. Bd. V S. 269 s. erschöpfend belegt ist. Vierteljahresscyrift V1JI. 4. , 19

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.